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Botenstoff NO: Ursache für Sodbrennen und niedrigen Blutdruck?

Funktionen von Stickstoffmonoxid für den Organismus

Menschen mit Refluxkrankheit und täglichem Sodbrennen haben gleichzeitig einen erniedrigten Blutdruck (Hypotonie), ist das Ergebnis einer Studie von britischen Forschern [1]. Als vorläufige Theorie zur Erklärung dieses erstaunlichen Zusammenhanges nehmen die Wissenschaftler eine gemeinsame Veränderung im Stoffwechsel des bedeutenden Körper-Botenstoffes Stickstoffmonoxid (Stickoxid, NO, siehe Kasten) an.

Den jetzt vorgelegten Untersuchungen ging eine ebenso erstaunliche, 2003 veröffentlichte wissenschaftliche Studie voraus, die zeigte: Patienten mit Barrett-Ösophagus (einer Veränderung der Speiseröhren-Schleimhaut durch lang anhaltendes Sodbrennen) sterben nur halb so oft an Schlaganfall („Apoplexie“) wie Menschen der normalen Bevölkerung [2]. Oder im Schlagzeilen-Stil ausgedrückt: Ein Barrett-Ösophagus „schützt“ vor Schlaganfall. Hieraus ergab sich die Schlussfolgerung: Wenn

  1. Schlaganfälle bei niedrigem Blutdruck grundsätzlich seltener sind als bei normalem oder erhöhtem Blutdruck, könnte
  2. der Botenstoff NO hierfür entscheidend sein. Denn NO entspannt sowohl die Arterien (Folge: Blutdruck-Senkung) und als auch den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen (Folgen: Reflux, erhöhte Säurebelastung der Speiseröhre, Sodbrennen, Barrett-Schleimhaut-Veränderungen).

Um diesen Zusammenhang zu belegen, wurde es somit notwendig, bei Sodbrennen-Patienten systematisch den Blutdruck zu untersuchen.

Stickstoffmonoxid (Stickoxid, chemische Abkürzung NO)

Stickstoffmonoxid ist ein sehr reaktionsfähiges Gas, das bei vielen biologischen Vorgängen eine bedeutende Rolle spielt. Im menschlichen Körper fungiert Stickstoffmonoxid als Signalmolekül. Wie erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckt wurde, hat NO eine große Bedeutung als zellulärer Botenstoff bei der Regulation glatter Muskelzellen und von Blutgefäßen. Es wird unter anderem von einigen Nervenzellen freigesetzt, auch aktivierte Immunzellen können Stickstoffmonoxid bilden, um körperfremde Mikroorganismen oder andere Zellen zu zerstören.
Stickstoffmonoxid wird von Endothelzellen (Zellen, die Blutgefäße auskleiden) gebildet und bewirkt eine Entspannung der glatten Muskeln in den Gefäßwänden. Zudem verhindert es das Verkleben von Blutplättchen und weißen Blutkörperchen. Stickstoffmonoxid ist ein wichtiger Faktor bei der Kontrolle des Blutdruckes. Bilden die Endothelzellen nicht genügend Stickstoffmonoxid, ziehen sich die Blutgefäße zusammen, was eine Erhöhung des Gefäß-Widerstandes und damit des Blutdruckes zur Folge hat. Bei Patienten mit Bluthochdruck („Hypertonie“) oder Erkrankungen der Herzkranzgefäße sind Synthesewege des Stickstoffmonoxids verändert.
Nach neuesten Erkenntnissen ist Stickstoffmonoxid auch ein Neurotransmitter. Es ist im Gehirn und im peripheren autonomen Nervensystem vorhanden und für die Übertragung von Nervenimpulsen verantwortlich, die an der Gedächtnisbildung und am Lernen sowie bei der Steuerung des Darmes, beispielsweise der Peristaltik, beteiligt sind. Stickstoffmonoxid steuert auch die Erektion des Penis.

Und genau dies haben die britischen Forscher bei über 10.000 Probanden aus Südwest-England dann auch getan. Dabei zeigte sich, dass Menschen mit täglichem saurem Aufstoßen einen um 4,2 mm Hg niedrigeren systolischen Blutdruck (Millimeter auf der Quecksilbersäule der klassischen Blutdruck-Messgeräte) und einen um 2,1 mm Hg niedrigeren diastolischen Blutdruck im Vergleich zu Menschen mit selteneren oder gar keinen Refluxbeschwerden hatten. Bei Patienten mit Sodbrennen war die Blutdruck-Senkung ebenfalls nachweisbar, jedoch schwächer ausgeprägt (systolisch -0,5 mm Hg, diastolisch -0,9 mm Hg). Bei der Analyse wurden andere Einflussfaktoren auf den Blutdruck (zum Beispiel Alter, Geschlecht, Zigaretten-Verbrauch, Alkoholkonsum, soziale Schicht) statistisch korrigiert, Patienten, die Hochdruck-Mittel einnahmen wurden aus der Analyse ganz ausgeschlossen. Auch wenn diese Ergebnisse als vorläufig einzuschätzen sind, so die Autoren, gibt es doch etliche Hinweise für ihre prinzipielle Richtigkeit. Nicht nur der erwähnte Zusammenhang von Barrett-Ösophagus mit verringerter Schlaganfall-Häufigkeit, sondern auch der viel ältere Befunde, nach denen Refluxpatienten sehr viel leichter als andere Menschen mit Blutdruck-Anstieg auf Stress reagieren [3]. Die potentielle Bedeutung des Neurotransmitter NO auch für Funktionen des unteren Speiseröhren-Schließmuskels [4] könnte zudem neue Einsichten in den Krankheitsverlauf der chronischen Refluxkrankheit ermöglichen (einschließlich neuer therapeutischer Optionen).

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Die weltweit häufigste Gesundheits-Störung – refluxbedingtes Sodbrennen und saures Aufstoßen – bietet immer neue wissenschaftliche Einsichten. Die bei Sodbrennen-Welt.de vorgestellten Untersuchungen zur Lebensverlängerung bei Sodbrennen/Reflux (Längeres Leben durch Sodbrennen? ) bieten vor dem Hintergrund der NO-vermittelten Blutdrucksenkung bei Reflux eine bestechend einfache Erklärung für das Phänomen: Arterielle Hypotonie – als Krankheit im Ausland „ausgestorben“ [5], bei uns als „german disease“ weiter gepflegt und oft behandelt – verlängert das Leben der meisten „Betroffenen“ – ob sie nun Sodbrennen haben oder nicht. Diese Einsicht lindert zwar nicht die Refluxbeschwerden, kann aber Betroffene ob der gefürchteten Auswirkungen ihrer Erkrankung wenigstens beruhigen.



Autor
Quellen
  1. Murray LJ, McCarron P, McCorry RB, Anderson LA, Lane AJ, Johnston BT, Smith GD, Harvey RF: Inverse association between gastroesophageal reflux and blood pressure: results of a large community based study. BMC Gastroenterol. 2008 Apr 15;8:10 (Medline).
  2. Anderson LA, Murray LJ, Murphy SJ, Fitzpatrick DA, Johnston BT, Watson RG, McCarron P, Gavin AT: Mortality in Barrett's oesophagus: results from a population based study. Gut. 2003 Aug;52(8):1081-4 (Medline).
  3. Campo SM, Capria A, Antonucci F, Martino G, Ciamei A, Rossini PM, Bologna E, Cannata D: Decreased sympathetic inhibition in gastroesophageal reflux disease. Clin Auton Res. 2001 Feb;11(1):45-51 (Medline).
  4. Tomita R, Tanjoh K, Fujisaki S, Fukuzawa M: Physiological studies on nitric oxide in the lower esophageal sphincter of patients with reflux esophagitis. Hepatogastroenterology. 2003 Jan-Feb;50(49):110-4 (Medline).
  5. Shapiro MF: Low blood pressure: an extinct diagnosis. Can Med Assoc J. 1982 Apr 15;126(8):887-8 (Medline).

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