Längeres Leben durch Sodbrennen?
Schreckstarre der US-Gastroenterologen beendet
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Eine der häufigsten Anfragen bei Sodbrennen-Welt.de: „Ich habe starke Sodbrennen-Beschwerden – jetzt habe ich Angst, eine schlimme Krankheit wie zum Beispiel Krebs zu bekommen. Wie groß ist die Gefahr?“ Solche Ängste werden gerne geschürt, nicht zuletzt von Ärzten, Arzneimittel-Herstellern und Medien-Unternehmen [1, 2]. Eine von Wissenschaftlern der US-amerikanischen Mayo-Klinik im September 2007 vorgelegte Studie entzieht den Angstmachern jeden Boden: Die Lebensdauer von Menschen mit starkem, täglichen Sodbrennen ist gegenüber gesunden Menschen unverändert. Und noch besser: Selteneres, zum Beispiel wöchentliches Sodbrennen, geht mit einer erhöhten Lebenserwartung gegenüber Gesunden einher [3, 4]. Die „Community“ der Magen-Darm-Spezialisten hat über ein halbes Jahr gebraucht, um diese Nachricht zu verdauen, die von der Mayo-Klinik vorgelegte Studie zu analysieren und nun zähneknirschend zu akzeptieren, dass die Kernaussage „keine Verkürzung der Lebenserwartung bei Refluxpatienten“ wohl richtig ist [5].
Keine Angst wegen Sodbrennen!
Damit kommen auch jene deutsche Gastroenterologen in Argumentations-Not, die seit Jahren auf die angeblich massive Zunahme von Speiseröhrenkrebs durch jahrelange Refluxerkrankung verweisen. Und damit den medizinisch ansonsten unvertretbar massiven Einsatz von Säureblockern aus der Gruppe der Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) bei chronischer gastro-ösophagealer Refluxkrankheit und Sodbrennen rechtfertigen [6]. Wie der Widerspruch zwischen erheblich eingeschränkter Lebensqualität bei Sodbrennen [7, 8] und minimal erhöhter Karzinomrate bei wenigen Patienten mit langjährigem Barrett-Ösophagus einerseits mit erhöhter Lebenserwartung von Patienten mit wöchentlichem oder gelegentlichem Sodbrennen andererseits zu beseitigen ist, bleibt offen, so die renommierte Gastroenterologin Dr. Lauren B. Gerson von der US-Universität Stanford [5]. Grobe wissenschaftliche Schnitzer, wie beispielsweise Todesfälle von Sodbrennen-Patienten durch Verletzungen bei Magenspiegelungen einfach als „reflux-bedingt“ einzuschätzen [9], wurden jedenfalls bei der Studie der Mayo-Klinik nicht gemacht, so Gerson. Die einzige deutliche Botschaft aus dieser Arbeit geht direkt an die Patienten mit refluxbedingtem Sodbrennen: „Wir können unsere Patienten versichern, dass die Behandlung der chronischen gastro-ösophagealen Refluxkrankheit sich auf die Verbesserung der krankheitsbezogenen Lebensqualität konzentrieren und nicht die Gesamt-Lebenserwartung betreffen sollte. Oder noch klarer ausgedrückt: Sodbrennen verkürzt nicht das Leben – tun Sie deshalb alles, damit Ihre Beschwerden besser werden“! Sei es mit Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung, säureneutralisierenden Antazida (zum Beispiel Maaloxan®), Autogenem Training, Heilpflanzen-Extrakten oder anderen individuell bei Ihnen wirksamen Maßnahmen (Säureblocker-Einnahme, Sodbrennen-OP usw.).
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Mai 2008.
- NN: Panikmache oder sinnvolle Prävention - Wie gefährlich ist Sodbrennen wirklich? - Eine Kontroverse im Deutschen Ärzteblatt. Sodbrennen-Welt.de, Berlin, August 2002 (Volltext).
- NN: Medizin: Spiel mit der Angst - Durch Aufklärungskampagnen werden Allerweltsleiden immer häufiger zu bedrohlichen Krankheiten aufgebauscht - zum Wohle der Pharmaindustrie. Spiegel. 2002 Sept 2; 36 (Volltext).
- Talley NJ, Locke GR 3rd, McNally M, Schleck CD, Zinsmeister AR, Melton LJ 3rd: Impact of gastroesophageal reflux on survival in the community. Am J Gastroenterol. 2008 Jan;103(1):12-9. Epub 2007 Sep 26 (Medline).
- Bubenzer RH: Wissenschaft gegen das Geschäft mit der Angst - Verlängert Sodbrennen das Leben? Sodbrennen-Welt.de. Oktober 2007 (Volltext).
- Gerson LB: Effect of Heartburn on Life Expectancy. Gastroenterology. 2008 May 12 (Medline).
- „Wir stellen seit einigen Jahren einen beunruhigenden und medizinisch nicht zu erklärenden Verordnungszuwachs bei den Protonenpumpeninhibitoren (PPI) fest, die offenbar immer häufiger auch bei banalsten Magen-Darm-Problemen zum Einsatz kommen“, kritisiert Prof. Dr. Ulrich Schwabe, Heidelberg, Mitherausgeber des Arznei-Verordnungsreportes, Oktober 2007 gegenüber Sodbrennen-Welt.de das Verordnungsverhalten deutscher Ärzte.
- Gerson LB, Ullah N, Hastie T, Triadafilopoulos G, Goldstein M: Patient-derived health state utilities for gastroesophageal reflux disease. Am J Gastroenterol. 2005 Mar;100(3):524-33 (Medline).
- Bubenzer RH: Signifikant verringerte Lebensqualität - Was Sodbrennen mit Arthritis, Herzinsuffizienz oder chronischen Kopfschmerzen zu tun hat. Sodbrennen-Welt.de. März 2005 (Volltext).
- Rantanen TK, Sihvo EI, Räsänen JV, Salo JA: Gastroesophageal reflux disease as a cause of death is increasing: analysis of fatal cases after medical and surgical treatment. Am J Gastroenterol. 2007 Feb;102(2):246-53 (Medline).

