Sodbrennen durch Rheuma oder durch Rheuma-Mittel?
|
Die medikamentöse Therapie schlägt Rheuma-Patienten häufig auf den Magen und Darm. Und ist heute zum Beispiel die häufigste Ursache für Magen-Blutungen, Magen-Darm-Geschwüre oder sogar für lebensgefährliche Durchbrüche der Magenwand („Perforation“) [1]. Rheumatologen aus dem asiatischen Zwergstaat Brunei haben jetzt untersucht, ob rheumatische Erkrankungen – neben der Arzneimittel-Therapie – selbst Ursache für Magen-Darm-Beschwerden sind [2].
Hierzu wurden 178 Patienten mit verschiedenen rheumatischen Erkrankungen (vor allem rheumatoide Arthritis und systemischer Lupus erythematodes) mit einer rund 360 Personen umfassenden, ähnlich zusammengesetzten Kontrollgruppe verglichen. Von besonderen Interesse bei der Patienten-Analyse war die aus nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) bestehende Medikation. NSAR sind häufig bei Rheuma eingesetzte schmerz- und entzündungslindernde Wirkstoffe, die besonders oft zu Nebenwirkungen an Magen und Darm führen.
Es zeigte sich, dass typische Magen-Darm-Nebenwirkungen unter der Therapie mit NSAR leicht gehäuft auftraten, zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, vorzeitige Sättigung oder dyspeptische Magenbeschwerden. Doch keine dieser oder anderer Magen-Darm-Beschwerden – einschließlich Sodbrennen – war bei NSAR-Therapie signifikant häufiger als ohne diese Behandlung. Erst bei Berücksichtigung der gesamten antirheumatischen Medikation, also einschließlich Kortisonen und Basistherapeutika, zeigte sich ein signifikantes Überwiegen gastrointestinaler Nebenwirkungen der Behandelten im Vergleich zu den unbehandelten Rheumatikern. Statistisch noch deutlicher stellte sich dies im Vergleich mit den gesunden Kontrollen dar. Aus Sicht der Forscher unterstreichen diese Ergebnisse die alte Vermutung, dass rheumatische Erkrankungen selbst zu gastrointestinalen Beschwerde wie Magendrücken, Übelkeit oder Sodbrennen führen und dass Rheuma-Mittel diese Neigung zu Magen-Darm-Beschwerden nur verstärken.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Ohne Frage verschlechtern Magen-Darm-Probleme den Gesundheitszustand und die Lebensqualität chronischer Rheumapatienten noch weiter. Ohne Frage ist es für die betreuenden Ärzte auch wichtig zu wissen, dass Sodbrennen, Übelkeit, Blähbauch oder Reizdarmsymptome bei Rheumapatienten auch dann möglich sind, wenn die Patienten gar keine NSAR verwenden. Ob jedoch die Häufung dieser Beschwerden – die ja auch in der Normalbevölkerung vorkommen – tatsächlich typisch für rheumatische Erkrankungen ist oder mit der Einnahme anderer Medikamente zusammenhängt (auch rezeptfreie, freiverkäufliche Mittel!), belegt die vorgestellte Studie nicht zweifelsfrei. Frühere, deutlich größere Untersuchungen konnten jedenfalls den Zusammenhang von Rheuma mit spezifischen, krankheitsbedingten Magen-Darm-Beschwerden nicht erhärten [3].
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Mai 2008.
- Singh G, Triadafilopoulos G: Epidemiology of NSAID induced gastrointestinal complications. J Rheumatol Suppl. 1999 Apr;56:18-24 (Medline).
- Chong VH, Wang CL: Higher prevalence of gastrointestinal symptoms among patients with rheumatic disorders. Singapore Med J. 2008 May;49(5):419-24 (Medline).
- Wolfe F, Hawley DJ: The comparative risk and predictors of adverse gastrointestinal events in rheumatoid arthritis and osteoarthritis: a prospective 13 year study of 2131 patients. J Rheumatol. 2000 Jul;27(7):1668-73 (Medline).
Weitere Informationen bei Sodbrennen-Welt.de:

