Wann heilt Magenband-OP Sodbrennen, wann nicht?
Magenband (mit freundl. Genehmigung von Ethicon Endo-Surgery) |
Übergewicht breitet sich nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland immer weiter aus, wie die jüngst erschienene Nationale Verzehrstudie II deutlich macht [1]. Neben nicht-operativen, „konservativen“ Maßnahmen wie erhöhte körperliche Aktivität oder Ernährungs- und Lebensstil-Umstellungen rücken operative Übergewichts-Therapien („bariatrische Chirurgie“) immer mehr in den Vordergrund, vor allem bei den massiv Übergewichtigen („morbide Adipositas“). Viele dieser Patienten leiden - unter anderem - auch an andauernden, oft schweren Refluxbeschwerden. Ob Übergewichts-Operationen, und vor allem das in Europa besonders beliebte „Magen-Band“, nicht nur das Gewicht wieder verringern, sondern auch das Sodbrennen, haben zahlreiche Forschergruppen untersucht [2]. Die Ergebnisse waren dabei oftmals nicht eindeutig - viele Patienten sind nach der OP von ihrem Sodbrennen geheilt (vergleichbar zu den gängigen Sodbrennen-Operationen), zahlreiche haben jedoch weiterhin Beschwerden [3]. Österreichische Chirurgen haben versucht, die Ursachen für diese unterschiedlichen Auswirkungen der Magen-Band-OP auf das Sodbrennen zu erklären [4].
Untersucht wurden 587 stark adipöse Patienten (durchschnittliche Körpermassezahl 46,7). Allen Patienten wurde laparoskopisch - also minimal-invasiv - ein Magen-Band eingelegt. Hinsichtlich der Refluxkrankheit wurden bei allen Patienten vor dem Eingriff und ein Jahr später die subjektiven Beschwerden per Fragebogen (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schluckbeschwerden) erfasst sowie zahlreiche medizinische Untersuchungen durchgeführt (Speiseröhren- und Magenspiegelung, Barium-Schlucktest bei Röntgendurchleuchtung, Druckmessung innerhalb der Speiseröhre, 24-Stunden-Langzeit-pH-Messung).
Die Patienten wurden im Mittel für 33 Monate (Bereich 12-49 Monate) nachbeobachtet. Bei 112 von 164 Patienten, bei denen vor dem Eingriff eine gastroösophageale Refluxkrankheit („GERD“) sicher nachweisbar war, verschwanden die Beschwerden nach der Operation (68,3%). Bei den übrigen 52 GERD-Patienten (31,7%) blieben nach Einlage des Magenbandes noch Refluxbeschwerden übrig. Der Vergleich der präoperativen Befunde zeigte einen deutlichen Unterschied: Bei den GERD-Patienten, die nach der OP noch Refluxbeschwerden hatten, war eine signifikant verschlechterte Speiseröhren-Beweglichkeit nachweisbar gewesen. Bei den durch die OP vom Sodbrennen befreiten Patienten hingegen nicht. Die Magenband-Einlage verschlechterte in der GERD-Gruppe mit erhaltenen Refluxbeschwerden auch Beschwerden wie Schluckstörungen oder saures Aufstoßen. In zwei Fällen kam es sogar zu einer Speiseröhren-Erweiterung. Nach Auffassung der Innsbrucker Chirurgen ist ein Magenband bei den meisten Übergewichtigen mit Refluxbeschwerden eine wirksame Antireflux-Maßnahme. Liegen jedoch vor der OP bereits Störungen der Speiseröhren-Motilität vor, kann das Magenband GERD-Beschwerden verstärken. Bei diesen Patienten sollten andere bariatrische Operationen zum Einsatz kommen.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Übergewichts-Operationen haben einen einzigen Zweck: Sie sollen das Körpergewicht der Patienten senken und alle damit verbunden Gesundheitsrisiken verringern. Das Magenband kann und soll insofern keine Alternative zu den Standard-Antireflux-Operationen für GERD-Patienten sein. Es ist erfreulich, dass die große Innsbrucker adipositaschirurgische Arbeitsgruppe die prognostischen Faktoren so sauber herausgearbeitet hat, die über die Heilung oder den Erhalt von Refluxbeschwerden nach Magenband-OP mitbestimmen. Denn was nützt einem Adipositas-Patienten die Freude über das sinkende Körpergewicht, die Reintegration in sein soziales Umfeld, die steigende Lebensqualität oder die Verringerung seiner vielfältigen Erkrankungs-Risiken, wenn sich so starke, und die Lebensqualität oft massiv einschränkende Symptome wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen in den Vordergrund drängen? Eine intensive gastroenterologische Voruntersuchung einschließlich Speiseröhren-Druckmessung ist also erforderlich [5], auch wenn typische Refluxbeschwerden fehlen [6].
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Juni 2008.
- Bell S, Braun G, Brombach C, Eisinger-Watzl M, Götz A, Hartmann B, Heuer T, Heyer A, Hilbig A, Huth R, Korn L, Krems C, Möseneder J, Oltersdorf U, Pfau C, Pust S, Richter A, Siewe-Reinke A, Straßburg A, Tschida A, Vásquez-Caicedo AL, Wagner U: Nationale Verzehrsstudie II - Die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen (Ergebnisbericht Teil 1). Max Rubner-Institut (Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel), Karlsruhe, 2008 (Weitere Infos).
- O'Brien PE, Brown WA, Dixon JB: Obesity, weight loss and bariatric surgery. Med J Aust. 2005 Sep 19;183(6):310-4 (Medline).
- Tolonen P, Victorzon M, Niemi R, Mäkelä J: Does gastric banding for morbid obesity reduce or increase gastroesophageal reflux? Obes Surg. 2006 Nov;16(11):1469-74 (Medline).
- Klaus A, Gruber I, Wetscher G, Nehoda H, Aigner F, Peer R, Margreiter R, Weiss H: Prevalent esophageal body motility disorders underlie aggravation of GERD symptoms in morbidly obese patients following adjustable gastric banding. Arch Surg. 2006 Mar;141(3):247-51 (Medline).
- Klaus A, Weiss H: Is Preoperative Manometry in Restrictive Bariatric Procedures Necessary? Obes Surg. 2008 Apr 2 (Medline).
- Koppman JS, Poggi L, Szomstein S, Ukleja A, Botoman A, Rosenthal R: Esophageal motility disorders in the morbidly obese population. Surg Endosc. 2007 May;21(5):761-4 (Medline).
Weitere Informationen bei Sodbrennen-Welt.de:

