Häufiger Zusammenhang von Kopfschmerzen und Sodbrennen
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Patienten mit Refluxbeschwerden leiden wesentlich häufiger an Kopfschmerzen als Menschen ohne diese Speiseröhren-Problematik, zeigt jetzt eine große norwegische Untersuchung [1]. Angesichts der Tatsache, dass beide Symptome sehr häufig sind, könnte diese Einsicht erhebliche Auswirkungen auf die Behandlung haben.
Insgesamt wurden im Rahmen einer Querschnittsuntersuchung über 43.000 Norweger per Fragebogen nach einer Vielzahl von Magen-Darm-Problemen und anderen Gesundheitsstörungen befragt. Dabei zeigte sich, dass Menschen mit Refluxbeschwerden wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen statistisch signifikant häufiger an Kopfschmerzen litten als Menschen ohne solche säureassoziierten Beschwerden (Chancenverhältnis 2,4). Ähnliches konnte auch für andere Magen-Darm-Beschwerden gezeigt werden (Durchfall - 2,4, Verstopfung - 2,1, Übelkeit - 3,2). Dieser statistische Zusammenhang wurde nach mathematischer Korrektur entsprechend typischer Einflussfaktoren auf die geschilderten Beschwerden (z. B. Alter, Medikamentengebrauch, Depressivität oder Angst) erfasst. Erkennbare Unterschiede zwischen nicht-migräneartigen und Migräne-Kopfschmerz gab es nicht. Allerdings war der Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden um so ausgeprägter, je häufiger die Befragten unter Kopfschmerzen litten. Dies deuten die norwegischen Forscher als Hinweis darauf, dass Kopfschmerzpatienten allgemein vermehrt zu Magen-Darm-Problemen neigen.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Der Zusammenhang von Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden, bzw. von Sodbrennen und Kopfschmerzen, ist manch erfahrenen Ärzten bekannt. Die Häufigkeit war bislang jedoch wissenschaftlich nicht bekannt. Die vorgelegte Studie betont deshalb ein besonderes medizinisches Behandlungs-Problem: Die Entstehung neuer gesundheitlicher Problemen bei der Behandlung einer Krankheit („Iatrogene“). Beispiel: Übelkeit, Magenblutungen oder Magengeschwüre sind bei Verwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, zum Beispiel Acetylsalicylsäure/ASS/Aspirin) in der Schmerztherapie extrem häufig. Oder umgekehrt: Bei der Behandlung von Sodbrennen und anderen Refluxproblemen sollten Medikamente vermieden werden, die besonders häufig Kopfschmerzen auslösen, zum Beispiel die sog. Protonen-Pumpen-Inhibitoren (der Hauptvertreter Omeprazol führt bei bis zu sieben Prozent der Behandelten zu Kopfschmerzen [2]). Klassische Antazida, zum Beispiel auf Basis von Aluminium-Magnesium-Hydroxid (Maaloxan(R) und andere), haben solche Nebenwirkungen nicht.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Juli 2008.
- Fotoquelle: Fred Goldstein - Fotolia.com
- Aamodt AH, Stovner LJ, Hagen K, Zwart JA: Comorbidity of headache and gastrointestinal complaints. The Head-HUNT Study. Cephalalgia. 2008 Feb;28(2):144-51 (Medline).
- atd - arzneimittel-telegramm Arzneimitteldatenbank: Auslöser zur unerwünschten Wirkung Kopfschmerzen. Berlin, Juli 2008.

