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Off-Label-Use von Antazida aus Aluminium-Magnesium-Hydroxid

In manchen medizinischen Bereichen gehört die Anwendung von Wirkstoffen, die überhaupt nicht für die betreffende Krankheit zugelassen sind, zum Alltag. Zum Beispiel bei der Gruppe der multimilliardenschweren Krebsmittel, von denen über 60 Prozent „off label“ eingesetzt werden [1], also ohne Zulassung. Nach klinischen Berichten können auch der Inhaltsstoff des bewährten Antazidums Maaloxan(R) - Aluminium-Magnesium-Hydroxid - bei anderen medizinischen Problemen als Sodbrennen oder saurem Aufstoßen eingesetzt werden, selbst wenn es für solche Indikationen meist keine offizielle Zulassungen gibt. Im Vordergrund stehen dabei Entzündungen und Geschwüre der Schleimhaut, zum Beispiel von Harnblase oder Mundhöhle.

Japanische Ärzte berichten beispielsweise von einem Patienten mit nicht stillbaren Blutungen der Blasenschleimhaut nach einer Blasen-Strahlentherapie - ein durchaus häufiges Problem nach Unterleibs-Strahlentherapie. Nachdem alle anderen, gängigen Versuche der Blutstillung fehlgeschlagen waren, wurden 50-100 Milliliter gelförmiges Antazidum aus Aluminium-Magnesium-Hydroxid über einen Katheter in die Harnblase verbracht. Und zwar jeweils für täglich eine Stunde über einen Zeitraum von einer Woche. Die Blasen-Blutung war nach sieben Behandlungstagen vollständig gestillt, weshalb die Autoren diese Behandlung zur frühen Therapie bei ansonsten kaum stillbaren Blasen-Blutungen vorschlagen [2]. Ohne Frage hat das Antazidum schleimhautschützende Eigenschaften: Es legt sich kurzfristig an geschädigte Schleimhaut an (bei den zugelassenen Indikationen natürlich an jene von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm) und entzieht das lädierte Epithel damit dem Zugriff des potentiell schädigenden Urins [3]. Aus Forschungen von Gastroenterologen ist zudem bekannt, dass Aluminium-Magnesium-Hydroxid heilungsfördernde Effekte besitzt [4] - möglicherweise auch bei blutenden Strahlenulcera in der Blase. Nicht ganz klar ist, ob Aluminium-Magnesium-Hydroxid tatsächlich adstringierend („zusammenziehend“) wirkt, wodurch der hämostyptische („blutungsstillende“) Effekt zusätzlich erklärbar wäre.

Ein weiterer Indikationsbereich - neben der anekdotisch von vielen Medizin-Laien berichteten örtlichen Anwendung auf Herpes labialis- oder Akne-Hautläsionen - umfasst Schäden der Mundschleimhaut. Beispiel 1: Die alleinige oder begleitende Krebstherapie mittels Chemotherapie führt bei vier von zehn Behandelten zu einer unangenehmen, oft sehr schmerzhaften Entzündung der Mundschleimhaut („orale Mukositis“). Zu den in US-Krankenhäusern am häufigsten dagegen eingesetzten Mittel zur Mundspülung zählen auch Antazida aus Aluminium-Magnesium-Hydroxid wie Maaloxan [5]. Beispiel 2: Hält die Mukositis an - bei Kleinkindern oft in Folge der viral bedingten Mundfäule („Gingivostomatitis herpetica“ oder „Stomatitis aphtosa“) -, entwickeln sich tiefergehende Schleimhautschäden und Ulcerationen und die Not ist groß. Denn die ulcusbedingten Schmerzen sind bei der Nahrungsaufnahme am stärksten. Und wenn dann selbst - eigentlich nicht angesagte - Lokalanästhetika kaum noch wirken, können die Kleinen nicht mehr im notwendigen Umfang trinken und essen, was der Heilung zusätzlich im Wege steht. Hier bietet eine Mundspülung aus einer Kombination eines Antihistaminikums und eines Antazidums wie Maaloxan wirksame Heilungsoptionen [6].



Autor
Quellen
  1. Freund M: On-Label – Off-Label - Gibt es eine Sicherheitsgarantie durch Regulation? GGW. 2006 Oct;6(4):22-31 (Volltext).
  2. Kawamura N, Kakuta Y, Fukuhara S, Imazu T, Hara T, Yamaguchi S: [Successful treatment of hemorrhagic cystitis after radiation therapy with intravesical instillation of aluminium hydroxide gel and magnesium hydroxide: report of a case]. Hinyokika Kiyo. 2008 Mar;54(3):239-41 (Medline).
  3. Hongo F, Saitoh M: [Intravesical instillation of Maalox for the treatment of bladder hemorrhage due to prostate cancer invasion: report of two cases]. Hinyokika Kiyo. 1999 May;45(5):367-9 (Medline).
  4. Konturek SJ, Brzozowski T, Garlicki J, Majka J, Stachura J, Nauert C: Intragastric pH in the gastroprotective and ulcer-healing activity of aluminum-containing antacids. Digestion. 1991;49(3):140-50 (Medline).
  5. Chan A, Ignoffo RJ: Survey of topical oral solutions for the treatment of chemo-induced oral mucositis. J Oncol Pharm Pract. 2005 Dec;11(4):139-43 (Medline).
  6. Rizzolo D, Chiodo TA: Painful sores in a young boy's mouth. Herpetic stomatitis. JAAPA. 2008 Feb;21(2):16 (Medline, Volltext).

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