Sodbrennen durch Hormon-Ersatz-Therapie
|
Millionen von Frauen in der westlichen Welt verwenden wegen der - auch tödlichen - Nebenwirkungen keine Hormon-Ersatz-Therapie (HRT) mehr. Andere ignorieren das Krebsrisiko und lassen sich HRT weiterhin gegen ihre Wechseljahrsbeschwerden verschreiben. Die US-Studiengruppe, die der HRT mit den Daten der Women's Health Initiative (WHI) ein vorzeitiges Ende bereitete, legt jetzt weitere Argumente vor, die gegen eine Hormontherapie von Frau in den Wechseljahren („Postmenopause“) spricht. HRT auf Östrogenbasis erhöht, so die neuen Befunde bei mehr als 27.000 Frauen, die Anzahl von Anwenderinnen, die hierdurch eine gastroösophageale Refluxkrankheit mit Sodbrennen oder saurem Aufstoßen bekommen [1].
Im Rahmen einer, an dem renommierten Karolinska-Institut in Schweden durchgeführten, placebokontrollierten Studie mit WHI-Daten von mehr als 27.000 postmenopausalen Frauen wurden entweder Frauen unter HRT nach einer operativen Gebärmutter-Entfernung („Hysterektomie“) oder mit erhaltener Gebärmutter untersucht. Wegen des bekannten Gebärmutterkrebs-Risiko bei alleiniger Gabe des weiblichen Geschlechtshormon Östrogen bekommen Frauen mit erhaltener Gebärmutter ein hormonelles Kombinationspräparat, das sowohl Östrogen als auch ein Gestagen enthält (das andere weibliche Geschlechtshormon). Hysterektomierte Frauen bekamen jeweils nur ein östrogenhaltiges HRT-Präparat.
Bei der Nachuntersuchung nach einjähriger HRT-Behandlung zeigte sich, dass die HRT alleine mit Östrogen zu einer tendentiell erhöhten Neuerkrankungsrate bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit geführt hatte (4,2% unter Östrogen, 3,1% in der Placebogruppe). Nach Kontrolle gegenüber anderen Risikofaktoren für das Auftreten einer chronischen Refluxkrankheit, zum Beispiel Übergewicht, ergab sich für die Östrogengruppe ein Chancenverhältnis von 1,41 für die Entwicklung einer Refluxkrankheit. Bei der Gruppe unter Kombinations-HRT zeigte sich kein erhöhtes Risiko für das Neuauftreten einer Refluxkrankheit. Keine der Hormontherapie hatte Auswirkungen auf bestehende Refluxbeschwerden.
Als weiterer Befund der Studie zeigte sich, dass Übergewicht hochsignifikant das Risiko einer Refluxkrankheit erhöht: In der Gruppe der postmenopausalen Frauen mit dem jeweils höchsten Körpermasseindex, dem höchsten Bauchumfang oder dem höchsten Bauch-Hüft-Verhältnis war das Refluxrisiko gegenüber normalgewichtigen Frauen verdoppelt. Die Autoren sind sich sicher, dass Gewichtsreduktion Refluxbeschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen - besonders bei nicht sehr stark ausgeprägter Refluxkrankheit - die Beschwerden lindern oder zum Verschwinden bringen würden.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Der Preis ist heiß - das gilt für viele der neueren Versuche der pharmazeutischen Industrie, neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Hormon-Ersatz-Therapie ist nur ein Beispiel davon. Sie steigert die Gefahr von Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutgerinnsel oder Brustkrebs und - wie sich nun zeigt - auch von Sodbrennen und anderen Refluxbeschwerden. Der beobachtete Zusammenhang zwischen Sodbrennen und Östrogenen ist jedoch nicht ganz neu - dass Östrogen einen deutlichen Einfluss auf Refluxsymptome hat, wurde von anderen Forschern des Karolinska-Institutes schon vor Jahren vermutet [2].
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, August 2008.
- Fotoquelle: Olga Ekaterincheva
- Zheng Z, Margolis KL, Liu S, Tinker LF, Ye W; Women's Health Initiative Investigators: Effects of estrogen with and without progestin and obesity on symptomatic gastroesophageal reflux. Gastroenterology. 2008 Jul;135(1):72-81 (Medline).
- Nilsson M, Johnsen R, Ye W, Hveem K, Lagergren J: Obesity and estrogen as risk factors for gastroesophageal reflux symptoms. JAMA. 2003 Jul 2;290(1):66-72 (Medline).

