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Osteoporose: Führt ein Rundrücken zur Refluxkrankheit?

Gustav Klimt - Sitzende alte Frau im Profil

Gustav Klimt (1862-1918): Sitzende alte Frau im Profil (um 1900–1907, schwarze Kreide auf Papier. Wien, Graphische Sammlung Albertina)

Menschen mit krankhaftem Rundrücken („Kyphose“), meistens bedingt durch Knochenschwund („Osteoporose“) leiden häufig auch an einer chronischen Refluxkrankheit mit Sodbrennen oder saurem Aufstossen. Besonders wenn der untere Rückenbereich betroffen ist, ist das Risiko von Sodbrennen stark erhöht, haben jetzt japanische Forscher herausgefunden.

Als Kyphose (griechisch von kyphos - Buckel) wird die gewölbte Krümmung der Wirbelsäule nach hinten bezeichnet. Im Bereich der Brustwirbelsäule ist dies normal, solange die Kyphose nur leicht ausgeprägt ist. Je stärker eine anlage- oder krankheitsbedingte Kyphose ausgeprägt ist (auch „Buckel“ oder „Rundrücken“ genannt), um so häufiger kann dies zu Beschwerden führen. Vor allem weil die Beweglichkeit des Körpers eingeschränkt wird oder Funktionen innerer Organe gestört sind. Beispiele sind Atemstörungen oder Schluckbeschwerden. Eine der häufigsten Ursachen der krankhaften Wirbelsäulen-Kyphose ist der osteoporotische Knochenschwund vor allem älterer Frauen („Witwen-Buckel“). Osteoporose trägt zu einer krankhaften Kyphose bei, weil sich die Wirbelkörper durch immer neue kleine Brüche („Frakturen“) allmählich verformen.

Eine Gruppe japanischer Forscher untersuchte jetzt die Frage, ob die Herausbildung krankhafter Kyphosen oder die Anzahl von nachweisbaren Wirbelkörperfrakturen das Risiko einer chronischen Refluxkrankheit bei Osteoporose-Patienten erhöht. Untersucht wurden 112 Osteoporose-Patienten in höherem Lebensalter (im Durchschnitt 78 Jahre alt, vor allem Frauen), die bei einer Befragung über Reflux-Beschwerden klagten. Zur Analyse eines möglichen Zusammenhanges von osteoporotischer Kyphose und Refluxkrankheit wurde die Ausprägung und Häufigkeit von Refluxbeschwerden, die Zahl der radiologisch bestimmten Wirbelfrakturen, die Winkel der Kyphose, die Einnahme von Anti-Osteoporosemitteln aus der Gruppe der Bisphosphonate sowie von Schmerzmitteln (nicht-steroidale Antirheumatika - NSAR) und die Gesamtmenge der täglich eingenommenen Arzneimittel miteinander in Beziehung gesetzt.

Es zeigte sich, dass weder die Verwendung von Bisphosphonaten noch von NSAR das Risiko von Refluxbeschwerden beeinflusste. Die Refluxproblematik war jedoch statistisch signifikant mit der Gesamtzahl eingenommener Medikamente sowie dem Winkel der Rückenverkrümmungen und der Anzahl der Wirbelkörperbrüche sowohl im Bereich der Brustwirbelsäule als im Bereich der Lendenwirbelsäule assoziiert. Eine chronische Refluxkrankheit war um so wahrscheinlicher, je größer die Verkrümmung vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule („Rundrücken“) und je höher die Zahl der Frakturen von Lendenwirbelkörpern war.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Die „Mechaniker“ unter den Ärzten werden gleich wieder sagen: „Klar, die Einengung des Bauchraums erhöht dort den Druck und damit den Rückfluss von säurehaltigem Mageninhalt in die Speiseröhre“. Wir haben uns schon mehrfach kritisch mit dieser fragwürdigen These auseinandergesetzt (→ Hosenträger zur Sodbrennen- und Krebsvorbeugung? - Falsch gelegen, Herr Doktor!, → Zusammenhang von Osteoporose und Sodbrennen).

Dass weder Bisphosphonate noch nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) einen Einfluss auf das Reflux-Risiko haben sollen, wie die Autoren schreiben, erscheint in höchstem Maße zweifelhaft. Nicht unbedingt, weil häufige Nebenwirkungen von Bisphosphonaten auch den oberen Verdauungstrakt betreffen. Sondern weil vor allem die millionenfache Einnahme von NSAR die heute häufigste Ursache für säurebedingte Magenblutungen, -geschwüre und lebensbedrohliche Magenwand-Durchbrüche ist. Merkwürdigerweise nahm zudem kein in die Studie aufgenommener Patient irgendwelche Säureblocker ein (H2-Blocker, Protonenpumpeninhibitoren). Obwohl dies auf längere Sicht die einzige wirksame Möglichkeit ist, NSAR-bedingten Magenproblemen Einhalt zu bieten. Ein Schelm ist, wer glaubt, dass der Dank der Autoren an das große japanische Pharmaunternehmen Eisai Co. Ltd (Tokio) tatsächlich frei von jedem Interessenkonflikt sei. So hat Eisei erst kürzlich beispielsweise ein neues Bisphosphonat (Actonel®) auf den Markt gebracht. Die Firma ist zudem bei Antirheumatika oder Magenmitteln mit im Pharma-Geschäft.

Neue Theorien zur Osteoporose-Entstehung besagen, dass es sich bei Osteoporose nicht primär um eine Stoffwechselerkrankung der Knochen oder eine Störung des Calcium-Phosphor-Vitamin D-Metabolismus handelt, die als angeblich Automatismus bei alternden Frauen auftreten (eventuell als Folge hormoneller Veränderungen ab den Wechseljahren). Die Rückbildung des mineralischen Knochenanteils und der Verlust der durch die Knochenstruktur bedingten funktionellen Belastbarkeit ist vielmehr ganz wesentlich eine Folge von fehlender muskulärer Stimulation („Inaktivitäts-Sarkopenie“, „Immobilisations-Atrophie“) [2], kurzum von fehlender körperlicher Aktivität. Hierauf machen die japanischen Autoren in einem Nebensatz ebenfalls aufmerksam: Sie betonen, dass heute alte japanische Frauen bei ihrer Arbeit in Haushalt oder auf dem Feld überwiegend eine vorne über gebeugte Haltung gehabt haben. Und dass dies zu einer chronischen muskulären Dysfunktion führte (fehlende Ausbildung der Streckmuskeln im Bereich der Lendenwirbelsäule). Diese wiederum behindert die normale Ausbildung der Knochenstruktur und leistet vermehrten Brüchen von Lendenwirbelkörpern Vorschub (und damit dem beobachteten häufigen Rundrücken). Eine solche lumbale Kyphose geht jedoch mit Schmerzen einher, mit erheblichem Verlust an Lebensqualität und mit einer Verringerung der körperlichen Aktivität.

Und hier kommt die Refluxproblematik ins Spiel: Ein wesentlicher Anteil von säurebedingten Schmerzen der Speiseröhre durch eine zu hohe Kontaktdauer mit saurem Magensaft ist Folge einer gestörten Muskelaktivität der Speiseröhre („Motilitäts-Störung“). Körperliche Aktivierung wie zum Beispiel ein Spaziergang verringert bereits die Säurebelastung der Speiseröhre [3], und die Funktion des Speiseröhren-Schließmuskels verbessert sich [4]. Deshalb reicht in vielen Fällen alltäglichen Sodbrennens auch die Kombination von mäßiger sportlicher Aktivität mit bedarfsabhängiger Einnahme eines wirksamen Antazidums aus, um die Beschwerden wirksam zu kontrollieren. Für Menschen in höherem Lebensalter hingegen ist tägliche, körperliche Aktivität die beste Möglichkeit, Osteoporose und ihren vielfältigen Komplikationen vorzubeugen.



Autor
Quellen
  1. Miyakoshi N, Kasukawa Y, Sasaki H, Kamo K, Shimada Y: Impact of spinal kyphosis on gastroesophageal reflux disease symptoms in patients with osteoporosis. Osteoporos Int. 2008 Oct 23 (Medline).
  2. Runge M: Osteoporose - Dogmen hinterfragt. Der Hausarzt. 2001; 2:26-32.
  3. Franke A, Harder H, Orth AK, Zitzmann S, Singer MV: Postprandial walking but not consumption of alcoholic digestifs or espresso accelerates gastric emptying in healthy volunteers. J Gastrointestin Liver Dis. 2008 Mar;17(1):27-31 (Medline).
  4. Worobetz LJ, Gerrard DF: Effect of moderate exercise on esophageal function in asymptomatic athletes. Am J Gastroenterol. 1986 Nov;81(11):1048-51 (Medline).

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