Abkehr von alten Theorien (Teil 2)
Sodbrennen-Behandlung: Eindeutiges Plädoyer für Antazida
Als „Rückkehr zu Bewährtem“, könnte man die 180 Grad-Wendung international führender Gastroenterologen bezeichnen, die sie nicht nur hinsichtlich der Ursachen der gastroösophagealen Refluxkrankheit vollzogen haben (Sodbrennen-Welt.de berichtete, → Abkehr von alten Theorien, Teil 1), sondern auch hinsichtlich der Verwendung von Antazida bei dieser millionenfachen Erkrankung. Die Experten vermuten angesichts der oft ausbleibenden Wirkung der derzeit „modernen“ Refluxtherapie, dass „die Verwendung von Antazida bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit wahrscheinlich zunehmen wird“. Und sie fordern wie kritische Arzneimittelexperten schon länger, dass „PPIs nicht als einzige Mittel der Wahl bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit in Betracht gezogen werden sollten“.
Die Hintergründe dieses Sinneswandels werden von den Autoren des „Neuen Therapie-Algorithmus für die gaströsophageale Refluxkrankheit“ teilweise ausführlich, teilweise leider nur angedeutet erläutert:
- Die Überverwendung von Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI) bei der Refluxkrankheit sowie unspezifischen Magenbeschwerden und die hierdurch bedingte wirtschaftliche Überbelastung der Kostenträger führt in einigen Ländern wie z. B. Großbritannien offenbar zu politischem Änderungsdruck auf die Verordner.
- Revidierte Vorstellungen zur Entstehung von Sodbrennen oder saurem Aufstoßen bei der chronischem Refluxkrankheit erklären, warum die säureblockierende Therapie so überaus häufig versagt (→ Teil 1). Dies zwingt bei zunehmend von Patienten geforderter Kundenorientierung auch Ärztevermehrt zu ergebnisorientierter Verordnung. Damit ist eine Reflux-Behandlung gemeint, die endlich mal erfolgreich Symptome kontrollieren hilft. Deshalb lautet die Empfehlung der Refluxexperten, dass auch Allgemeinärzte in der Erstversorgung verstärkt wirksame Antazida einsetzen sollten.
- Neue Theorien postulieren eine lokale Säurebelastung im Bereich des Übergangs der Speiseröhre in den Magen (vor allem nach Nahrungsaufnahme). Die durch diese „Säuretasche“ ausgelöste Problematik sei besonders gut mit Antazida zu therapieren. Auch „neue“ alte Einsichten werden als Argument für den Antazidaeinsatz genannt. Allen voran die neutralisierenden Wirkungen auf aggressive Verdauungsenzymen und Gallensaft, die in die Speiseröhre zurückfließen (→ Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Antazida).
- Mit fortfallendem PPI-Patentschutz und nachlassenden Forschungsausgaben der Lizenzinhaber widmen sich Gastroenterologen wieder verstärkt unabhängiger Forschung. Auch bei der häufigsten Gesundheitsbeschwerde, die die Menschen in der westlichen Welt am häufigsten quält. Und bei diesen Forschungen zeigt sich, dass die Patienten-Abstimmung mit den Füßen offenbar gute Gründe hat - im Selbstzahlermarkt entscheiden sich Sodbrennen-Betroffene vor allem für Antazida. Wirksame auf Aluminium- und Magnesiumhydroxid basierende Antazida (z. B. Maaloxan ®) neutralisieren nämlich nicht nur in natürlichen Grenzen die Säurebelastung in Magen oder Speiseröhre, sondern sie wirken auch schneller als anderen Medikamente und können zudem ad libitum verwendet werden, also nur bei Bedarf (das ist bei Säureblockern nicht besonders erfolgversprechend).
- Bei der Abwendung von potenten, aber oft bei Reflux unwirksamen PPIs sollten die beratenden Apotheker und betreuenden Ärzte und Fachärzte aber nicht nur vermehrt Antazida empfehlen oder verordnen, sondern auch verstärkt auf die Wirksamkeit individueller Allgemeinmaßnahmen hinweisen. Beispielsweise nicht nach einer reichlichen Abendmahlzeit gleich zu Bett gehen etc. Die Autoren konzedieren allerdings, dass hier noch reichlicher Forschungsbedarf besteht, um wirksame von unwirksamen Vorschlägen zu unterscheiden.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Den Ausführungen der Arbeitsgruppe um den belgischen Prof. Guido Tytgat ist kaum etwas hinzuzufügen, außer die Bitte, ein altes Gastroenterologen-Leiden aufzugeben: Bitte geben Sie nicht immer den Patienten die Schuld, wenn eine Ihrer Therapien nicht funktioniert! Auch wenn sich Begriffe wie „mangelnde Compliance“ oder komplizierte psychiatrische Diagnosen in Fachzeitschriften gut machen, sind die meisten Sodbrennen-Patienten nicht selbst an ihren Beschwerden schuld. Und auch nicht daran, wenn eine suboptimale Therapie nicht wirkt!

