Antazida bei Zinkvergiftung durch Münzen
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Zinkhaltige Euromünzen sollen aus Sicht von Vergiftungsexperten für Kinder und Erwachsene unbedenklich sein, selbst wenn sie für viele Tage in der Säure des Magens bleiben. Tierärzte sind sich dabei jedoch weniger sicher und führen extreme Zinkblutspiegel und Vergiftungserscheinungen bei Hunden auf eine Zinkvergiftung nach dem Verschlucken von Euromünzen zurück. Um akute Vergiftungen zu verhindern, so schlagen jetzt US-amerikanische Giftexperten und Tiermediziner vor, können wirksame Antazida wie zum Beispiel Maaloxan® zur Säureneutralisation gegeben werden. Dies verhindert umgehend die säurebedingte Herauslösung von Zink aus Geldmünzen und damit eine mögliche Zinkvergiftung des Organismus [1].
Münzen gehören zu den am häufigsten von Kindern und Hunden verschluckten Fremdkörpern. Die möglichen Gefahren sind zum einen mechanisch bedingt (Verlegung der Verdauungswege, Verletzung durch scharfe Kanten), zum anderen chemisch (metallische Bestandteile wirken als Gift, vor allem Zink). Besonders gefährlich sind die 1982 in den USA eingeführten 1-Cent-Münzen, die aus einem Zinkkern mit dünnem Kupfermantel bestehen und schon nach kurzer Zeit durch Magensäure scharfkantig und verletzungsgefährdend werden. Zudem verlieren sie nach 1-2 Tagen bis zu 8 Prozent ihres Gewichtes an giftigem Zinkchlorid [2]. Die wesentlich höhere Härte der Euromünzen, trotz ihres teilweise hohen Zinkgehaltes, sollen solche mechanischen wie toxikologischen Veränderungen im sauren Milieu des Magens nahezu ausschließen [3], selbst bei widersprüchlichen Aussagen deutscher Veterinärmediziner [4]. Eindeutig ist allerdings, dass es die Salzsäure des Magens ist, die Münzen mechanisch angreifen und zur Herauslösung von toxischen Metallverbindungen führen kann. Eine rasche Bindung der Magensäure mit Antazida, wie jetzt von US-Veterinärmedizinern bei Hunden erprobt, verhindert eine Zinkfreisetzung bis die Münzen natürlich ausgeschieden werden oder - falls sie den Verdauungskanal verlegt haben - endoskopisch entfernt worden sind. Sie schlagen die Antazida-Säureneutralisation als initiale Maßnahme nach Aufnahme von metallischen Zink (bei Hunden) vor.
Häufigere Symptome von Zink-Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Lethargie, Reizbarkeit, Schwäche, Bauchschmerzen, Blutarmut, Auszehrung. Seltener kann es auch zu Durchfall, Muskelschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Bauchspeicheldrüsen-Entzündung, inneren Blutungen, Blutplättchenmangel, verringertem Durst, erniedrigtem Blutdruck oder Nierenversagen kommen.
nach: Cecil RL, Goldman L, Bennett JC (Hrsg.): Cecil Textbook of Medicine (21. Aufl.). WB Saunders Company/Elsevier, 2000.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, 2009.
- van der Merwe D, Tawde S: Antacids in the initial management of metallic zinc ingestion in dogs. J Vet Pharmacol Ther. 2009 Apr;32(2):203-6 (Kurzfassung).
- O'Hara SM, Donnelly LF, Chuang E, Briner WH, Bisset GS 3rd: Gastric retention of zinc-based pennies: radiographic appearance and hazards. Radiology. 1999 Oct;213(1):113-7 (Kurzfassung).
- Muensterer OJ, Wallner CP: Verschluckte Münzen im Magen - Wie gefährlich ist das Euro-Geld? Dtsch Arztebl 2002; 99(31-32): A-2106 / B-1786 / C-1681 (Volltext).
- Weingart C, Kohn B: Zinkintoxikation bei einem Yorkshire Terrier nach Aufnahme von Euro-Cent-Münzen. Schweiz Arch Tierheilkd. 2009 Feb;151(2):75-81 (Kurzfassung).

