Empfindlichkeit der 24-h-pH-Metrie: Oft überschätzt
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Mit der pH-Metrie (Langzeit-Säuremessung) kann die Säurebelastung in der Speiseröhre gemessen werden, vor allem bei Patienten mit Sodbrennen und anderen Refluxbeschwerden. Allerdings wird, so heißt es jetzt in der Ärztezeitung, die diagnostische Empfindlichkeit der 24-Stunden-pH-Metrie oft überschätzt [1]. So müsse sowohl bei bis zu einem Viertel der Patienten mit einer Refluxösophagitis als auch bei einem Drittel der Patienten mit nichterosiver Refluxerkrankung mit normalen Werten gerechnet werden. Hauptursache: Die gemessenen Säurewerte können von Tag zu Tag so sehr schwanken, dass es auch bei ansonsten eindeutiger Refluxkrankheit Tage mit völlig normalen Säurerefluxwerten gibt.
Die 24-Stunden-pH-Metrie wird häufig eingesetzt, wenn trotz Säureblockade Sodbrennen, saures Aufstossen oder Schmerzen hinter dem Brustbein anhalten. Mit der Messung der Säurebelastung in der Speiseröhre kann dann geprüft werden, ob zum Beispiel die Dosierung der verwendeten Mittel zu gering gewählt wurde oder ob eine andere Ursache für die Beschwerden in Frage kommt. Mit einer Säurebestimmung in Speiseröhre und Magen kann zudem analysiert werden, ob die Magenentleerung stark verzögert ist, heißt es in der, von der Ärztezeitung zitierten Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit“ [2]. In diesem Fall ist eine ungenügende Wirkstoff-Freisetzung der eingenommenen Medikamente und eine hierdurch bedingte zu geringe säurehemmende Wirkung denkbar. Eine 24-Stunden-pH-Metrie kann aber auch zur Klärung von Refluxsymptomen sinnvoll sein, die nach Antireflux-Chirurgie erneut auftreten. Nicht geeignet ist sie aber - im Gegensatz zur Speiseröhrenspiegelung (Spiegelung) -, um die Diagnose einer Refluxösophagitis zu stellen oder sie zu bestätigen.
In der Ärztezeitung wird betont, daß Diagnose und Akuttherapie bei Refluxerkrankungen durch die Ergebnisse einer Säuremessung nur bei 5 bis 25 Prozent der Patienten beeinflusst würden. Und zwar vor allem bei solchen Patienten, bei denen sowohl die Spiegelung von Speiseröhre und Magen ohne Ergebnis bleibt als auch die Beschwerden entweder untypisch sind oder nicht auf die Behandlung reagieren. Schließlich führe eine auf das Ergebnis der pH-Metrie zurückzuführende Änderung der Medikation nur bei wenigen Patienten zu einer Minderung der Symptome.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, 2009.
- NN: Diagnostische Sensitivität der 24-h-pH-Metrie wird häufig überschätzt. Ärzte Zeitung, 13. Mai 2009 (Bericht).
- Koop H, Schepp W, Müller-Lissner S, Madisch A, Micklefield G, Messmann H, Fuchs KH, Hotz J: Gastroösophageale Refluxkrankheit - Ergebnisse einer „Evidenz“-basierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Z Gastroenterol 2005; 43: 163-164 (letzte Überarbeitung Nov. 2008; Volltext).

