Im Krankenhaus erworbene Lungenentzündungen durch Säureblocker
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Krankenhauspatienten, die Säureblocker wie Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI) bekommen, haben ein signifikant erhöhtes Risiko, in der Klinik an einer Lungenentzündung (Pneumonie) zu erkranken, zeigt jetzt eine im US-Fachblatt JAMA veröffentlichte Studie [1]. Hochgerechnet auf die USA sterben der Studie entsprechend jährlich rund 33.000 Patienten an einer solchen vermeidbaren Pneumonie in Folge von PPI-Verwendung.
Mit der Einführung von Protonen-Pumpen-Inhibitoren (Wirkstoff zum Beispiel Omeprazol), eingesetzt vor allem zur Behandlung von Magengeschwüren und der chronischen Refluxkrankheit, ist deren Verordnung im Verlauf der letzten Jahre extrem angestiegen (Keine unkritische Dauertherapie mit Protonen-Pumpen-Inhibitoren). Geschätzt wird, dass 40-70 Prozent aller in ein Krankenhaus aufgenommenen Patienten irgendeine Form von Medikamenten bekommen, die die Bildung oder Freisetzung der Magensäure massiv unterdrücken. Dieser intensive Einsatz bei Krankenhauspatienten ist aus verschiedenen Gründen bedenklich. Nicht zuletzt, weil Wirkstoffe wie PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten (H2-Blocker) oft für Zwecke eingesetzt werden, die weder durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt oder von den Behörden zugelassen sind. Zudem gibt es immer mehr wissenschaftlich belegte Hinweise, dass der überzogene ambulante Einsatz von PPIs, also auch außerhalb der Krankenhäuser, die Gefahr von Lungenentzündungen erheblich ansteigen lässt.
Mit der Einführung von Protonen-Pumpen-Inhibitoren (Wirkstoff zum Beispiel Omeprazol), eingesetzt vor allem zur Behandlung von Magengeschwüren und der chronischen Refluxkrankheit, ist deren Verordnung im Verlauf der letzten Jahre extrem angestiegen (Keine unkritische Dauertherapie mit Protonen-Pumpen-Inhibitoren ). Geschätzt wird, dass 40-70 Prozent aller in ein Krankenhaus aufgenommenen Patienten irgendeine Form von Medikamenten bekommen, die die Bildung oder Freisetzung der Magensäure massiv unterdrücken. Dieser intensive Einsatz bei Krankenhauspatienten ist aus verschiedenen Gründen bedenklich. Nicht zuletzt, weil Wirkstoffe wie PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten (H2-Blocker) oft für Zwecke eingesetzt werden, die weder durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt oder von den Behörden zugelassen sind. Zudem gibt es immer mehr wissenschaftlich belegte Hinweise, dass der überzogene ambulante Einsatz von PPIs, also auch außerhalb der Krankenhäuser, die Gefahr von Lungenentzündungen erheblich ansteigen lässt.
Zusammengefasst zeigte sich: Säureunterdrückende Medikamente wurde bei 32.922 Krankenhauspatienten verordnet (52 Prozent). 83 Prozent dieser Patienten erhielten PPIs, die übrigen 23 Prozent H2-Blocker, etliche erhielten sogar beide Wirkstoffe. Die überwiegende Zahl dieser Verordnungen erfolgte innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Krankenhausaufnahme (89 Prozent).
Im Krankenhaus erworbene Lungenentzündungen traten bei 2.219 der neu aufgenommenen Patienten auf (3,5 Prozent). Die statistisch unkorrigierte Neuerkrankungsrate von im Krankenhaus erworbenen Pneumonien war bei Patienten, die säureunterdrückende Medikamente erhielten mehr als doppelt so hoch wie bei Patienten ohne eine solche Medikation (4,9 Prozent im Vergleich zu 2,0 Prozent). Nach statistischer Bereinigung dieser Zahlen, vor allem hinsichtlich möglicher Einflussfaktoren auf die Ergebnisse (zum Beispiel Zigarettenkonsum), zeigte sich trotzdem, dass die Chance (engl. odds) an einer Pneumonie im Krankenhaus neu zu erkranken, bei Patienten um 30 Prozent erhöht ist, die säureunterdrückende Medikamente bekommen, im Vergleich zu Patienten, die keine solche Mittel erhalten. Statistisch signifikant erwies sich diese Beziehung nur bei Verordnung von Protonen-Pumpen-Inhibitoren, nicht jedoch bei H2-Rezeptor-Antagonisten.
Dass die Unterdrückung der Bildung oder Freisetzung von Magensäure zu Infektionsproblemen führt, ist schon länger bekannt. Bei Magen-Darm-Infektionen erscheint dies auch leicht zu erklären, schützt doch die natürliche Magensäure hochwirksam vor heruntergeschluckten Krankheitserregern. Dass bei fehlender Magensäure auch andere Infektionen häufiger werden, ist bislang weniger schlüssig zu erklären. Eine Annahme besagt, dass sich durch medikamentös bedingte Änderungen des Säuregehaltes im Magen die bakterielle Besiedlung im Magen-Darmtrakt („Darmflora“) und in Folge hiervon auch die „Atemwegsflora“ verändert, was letztlich zu vermehrten Infektionen der Lunge (Pneumonien) führt. Zudem verschlechtern PPIs die Funktion weißer Blutkörperchen, die wesentliche Träger von lebensnotwendigen Abwehrfunktionen gegen Bakterien oder Viren sind.
„Diese Ergebnisse stehen in Zusammenhang mit einer wachsenden Zahl wissenschaftlicher Arbeiten, die eine Assoziation zwischen säureunterdrückender Medikation und Pneumonien nahelegen. Die entsprechende Verordnungspraxis bei Krankenhauspatienten sollte jetzt eingehend überprüft werden“, fassen die Autoren zusammen. Und zeigen in einer zusätzlichen Hochrechnung, wie viele Patienten in den USA eine vermeidbare, im Krankenhaus erworbene Pneumonie durch PPIs bekommen - nämlich rund 180.000 Menschen. Und dass es hierdurch, entsprechend einer durchschnittlichen Pneumonie-Sterblichkeit von 18% bei Krankenhauspatienten, zu rund 33.000 vermeidbaren Todesfällen kommt.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Schon vor knapp 10 Jahren schätzte eine hochkarätig besetzte Beraterkommission der US-Regierung, dass es in US-Krankenhäusern zu mindestens 100.000 vermeidbaren Todesfällen kommt [2]. Die hier vorgelegte Studie zeigt, wie ein einzelner - vermeidbarer - Einflussfaktor zu solchen mörderischen Auswirkungen führen kann. Da auch deutsche Patienten oft ein Abladeplatz unnötiger Medikamente sind - nicht zuletzt auch von sinnlos verordneten PPIs -, können die US-Zahlen durchaus auch auf Deutschland übertragen werden. Demzufolge würden also pro Jahr knapp 10.000 Krankenhauspatienten in Deutschland wegen unnötiger PPI-Verordnung eines vermeidbaren Todes sterben. Die Autoren beider erwähnter Publikationen machen darauf aufmerksam, dass im ambulanten Bereich der Medizin natürlich ähnliche Verhältnisse vorzufinden sind ... Natürlich gibt es gute Gründe, die Magensäure bestimmter Krankenhaus-Patienten im Auge zu behalten - so kann sich bei Intensivtherapie von Unfallpatienten oder im Verlauf von Operationen leicht einmal ein blutendes Stress-Magengeschwür entwickeln. Weshalb noch vor wenigen Jahrzehnten wirksame, vorübergehend säureneutralisierende Antazida, vor allem Maaloxan®, verordnet wurden. Übrigens ohne erhöhte Rate von Lungenentzündungen oder Störungen von Abwehrfunktionen.
&bdquo ...Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt.
... “
Auszug aus Johann Wolfgang Goethe: Faust - Eine Tragödie, ab 1797 (Volltext)
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, 2009.
- Herzig SJ, Howell MD, Ngo LH, Marcantonio ER: Acid-Suppressive Medication Use and the Risk for Hospital-Acquired Pneumonia. JAMA. 2009; 301(20):2120-8.
- Kohn LT, Corrigan JM, Donaldson MS: To err is human - Building a safer health system. National Academy Press, Washington, DC, 1999 (Volltext).
- Bildquelle: www.sxc.hu, Bubbels

