Osteoporose durch niedrige Magensäure-Spiegel
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Ist die Säuremenge im Magen verringert, verändert dies die Verfügbarkeit des mit der Nahrung aufgenommenen lebensnotwendigen Mengenelementes Calcium. Dies kann zu geschwächten Knochen und einer hierdurch erhöhten Knochenbruchgefahr führen, zeigt eine Studie Hamburger Wissenschaftler, die jetzt im Fachblatt Nature Medicine erschienen ist [1]. Mit die häufigste Ursache für erheblich verringerte Magensäurespiegel ist die Einnahme bestimmter Sodbrennenmittel, die Wirkstoffe wie den Protonen-Pumpen-Inhibitor Omeprazol enthalten und die Bildung oder Freisetzung von Magensäure nachhaltig unterdrücken.
Die Arbeitsgruppe vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf untersuchte Mäuse mit verschiedenen, genetisch bedingten Knochenproblemen, um die Auswirkungen unterschiedlicher Magensäurewerte auf die Calciumspiegel in Blut und auf die Knochenmasse zu erfassen. Die Studienergebnisse zeigten, dass eine verringerte Säurebildungsfähigkeit des Magens den Calciumstoffwechsel des Körpers erheblich stört. Dies wiederum verringert den mineralischen Knochenanteil, was normalerweise als Osteoporose bezeichnet wird. Eine erhöhte Calciumaufnahme konnte im Tiermodell einer Osteoporose vorbeugen.
Aus Sicht der beteiligten Forscher ist das Verständnis der engen Verbindung zwischen Magensäuregehalt, Calciumstoffwechsel und Knochengesundheit von entscheidender Bedeutung. Würde sich der beschriebene Zusammenhang in ähnlicher Weise auch beim Menschen nachweisen lassen, hätte dies direkte Auswirkungen auf die Behandlung von Patienten. Bei vielen Patienten könnte Osteoporose und Knochenbrüche in Folge einer Antisäurebehandlung mit geringen Kosten vermieden werden, würden zusätzlich Calciumpräparate verordnet. Ob dies allerdings so auch beim Menschen zutrifft, und welche Präparate bei Patienten mit verringertem Magensäuregehalt am besten geeignet wären, bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Die Ergebnisse aus Hamburg erstaunen nicht: Ein derartig massiver Eingriff in körpereigene Stoffwechselabläufe wie beispielsweise die fast vollständige Blockade der Magensäureproduktion kann nicht ohne Folgen bleiben. Auch nicht für den Knochenstoffwechsel, wie andere Wissenschaftler schon zuvor zeigen konnten. Erstaunlich ist nur, wie selten Forscher dieses Thema aufgreifen. Bis die neuen Erkenntnisse in die Verordnungs-Wirklichkeit von Ärzten durchschlagen, werden noch Millionen von Sodbrennen-Patienten unter Gefahr für ihre Gesundheit mit hochwirksamen Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI) behandelt werden (Todesfalle Sodbrennen-Therapie? Säurehemmer erhöhen die Gefahr von Schenkelhals-Brüchen). Auch wenn nicht einmal die Hälfte der von Schmerzen hinter dem Brustbein, von saurem Aufstoßen oder anderen säurebedingten Beschwerden geplagten Patienten überhaupt Linderung durch PPIs erfahren. Der klinische Vorschlag der Hamburger Wissenschaftler ist allerdings eine Katastrophe und bei den beteiligten Gerichtsmedizinern nur durch die Ferne von lebenden Patienten zu erklären: Anstatt die Spirale unsinniger Therapien (sinnferne PPI-Medikation bei Sodbrennen) weiter anzuheizen (Verordnung von Calcium-Ergänzungsmitteln), sollte die Therapie der chronischen Refluxkrankheit grundsätzlich überdacht werden.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, 2009.
- T, Schilling AF, Baranowsky A, Seitz S, Marshall RP, Linn T, Blaeker M, Huebner AK, Schulz A, Simon R, Gebauer M, Priemel M, Kornak U, Perkovic S, Barvencik F, Beil FT, Fattore AD, Frattini A, Streichert T, Pueschel K, Villa A, Debatin KM, Rueger JM, Teti A, Zustin J, Sauter G, Amling M: Impaired gastric acidification negatively affects calcium homeostasis and bone mass. Nat Med. 2009 May 17 (Kurzfassung).
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