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Gesundheits-Portale: Unsinnige Selbsthilfe-Tipps im Internet

Sodbrennen: Hilfesuche im Internet

Bereits die Stiftung Warentest belegte in einer unvollständigen Momentaufnahme von zwölf deutschsprachigen Gesundheitsportalen im Juni 2009, dass hochwertige Information nicht unbedingt deren Sache ist [1]. Ein Forscherteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt ergänzend gezeigt: Die auf solchen Portalen häufigen Hinweise zur Sodbrennen-Selbstbehandlung durch Änderung von Lebensgewohnheiten sind zu einem großen Teil völliger Unsinn [2].

Da es nur sehr wenige deutschsprachige Portale mit ausführlicheren Patienteninformationen zu Sodbrennen gibt, einschließlich Hinweisen zu Änderungen des Lebensstils, wurden 16 englischsprachige Portale überprüft. Das Stichwort mit dem bei den Suchmaschinen von Google, Yahoo und Microsoft gesucht wurde war „Heartburn“ (englisch für Sodbrennen). Die häufigsten Tipps zur Vorbeugung von Sodbrennen betrafen Gewichts-Verringerung, Zigaretten-Stopp, keine Nahrungsaufnahme 2-3 Stunden vor dem Zubettgehen sowie Vermeidung enger Kleidung und bestimmter Nahrungsmittel. Die Autoren bewerteten alle Empfehlungen auf ihre wissenschaftliche Stichhaltigkeit. Dabei zeigte sich, dass Patienten mit vielen der gegebenen - wirkungslosen - Tipps in die Wüste geschickt werden. Beispiele:

Die Autoren folgern hieraus, dass es für die meisten Tipps zur Lebensstil-Änderung als vorbeugende oder therapiebegleitende Maßnahme bei Patienten mit chronischer Refluxkrankheit und Sodbrennen keine wissenschaftliche Begründung gibt. Sie betonen jedoch, dass jede einzelne dieser Maßnahme in Einzelfällen wirksam sein kann.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
An der vorgelegten Arbeit ist nur ein Aspekt zu kritisieren - der therapeutische Optimismus der Autoren: Dass es wirksame Therapien bei chronischer Refluxkrankheit mit Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Schmerzen hinter dem Brustbein gäbe, ist so nicht richtig! Und schon garnicht für die Mehrzahl der schwerer Betroffenen. Es gibt zwar symptomatisch hochwirksame Präparate, zum Beispiel das Antazidum Maaloxan®, dessen beschwerdelindernde Wirkung meist nach wenigen Minuten eintritt. Eine wirksame und nebenwirkungsarme Langzeit-Therapie oder gar Heilung ist jedoch mit keinem der derzeit wichtigsten „Magenmittel“ zu erreichen. Gerade dies erklärt auch die Anzahl und Breite der - auf längere Sicht ebenfalls meist unwirksamen - Selbsthilfe-Anregungen. Der Hinweis der Berliner Forscher auf die mangelnde Informationsqualität von Patienten-Websites (zu Sodbrennen) ist hingegen sehr wertvoll: Für Patienten, um kritischer zu hinterfragen, für Ärzte, um wirksamer aufzuklären und für die Macher von Patientenportalen, um nicht bei ihren Qualitäts-Anstrengungen nachzulassen.

Hinweis: Auch wer deutschsprachige Gesundheitsportale nach Selbsthilfe-Tipps bei chronischer Refluxkrankheit und Sodbrennen durchsucht, wird oft mit einer menschenverachtenden Ignoranz der Betreiber und ihrer „Fach-Autoren“ konfrontiert. Selbst „hochwertige“ Portale geben die gleichen unsinnigen Hinweise wie die englischsprachigen Pendants. Und missachten dabei den oft erheblichen Leidensdruck der Betroffenen. Praktisch kein Tipp - z. B. „beim Essen gut kauen“ oder „Psychotherapie zur Behandlung“ - ist wissenschaftlich auch nur ansatzweise fundiert. Hier setzt sich im Internet fort, was viele Sodbrennen-Patienten bereits aus so manchem Arztkontakt kennen: Das Fehlen einer evidenzbasierten Behandlung gepaart mit unsinnigen Tipps zur Selbsthilfe. Beides hat zur Folge: Das Sodbrennen bleibt, und die Patienten müssen - immer wieder - zur ärztlichen Behandlung gehen ...



Autor
Quellen
  1. NN: Journal Gesundheit - Wissen auf Abruf. test. 2009; 6:86-92 (Kurzfassung).
  2. Nocon M, Müller-Riemenschneider F: Internet-based lifestyle advice for heartburn patients. Europ J Integr Med. 2009; 1(2):99-102 (Kurzfassung).

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