PPI-Säureblocker und Lebensmittel-Allergie
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Hochwirksame Therapien wie die Unterdrückung der Säurebildung und -freisetzung im Magen erfüllen zwar ärztliche Wünsche nach „Effektivität“. Dass hierfür kein Preis zu zahlen ist, wie oft behauptet, entspricht jedoch einem sehr kindlichen Wunschdenken mancher Magen-Darmspezialisten, zeigt jetzt eine Publikation im Fachblatt American Journal of Gastroenterology [1]. Diese geht der Frage nach, ob eine Therapie mit säureunterdrückenden Protonenpumpeninhibitoren (PPI) an der immer weiter ansteigenden Zahl von Allergien mitschuldig ist.
Die Fakten:
- → Eine spezielle Entzündung der Speiseröhre - in der Fachsprache eosinophile Ösophagitis genannt –, die ein klares Symptom einer Nahrungsmittel-Allergie ist, wird in den letzten Jahren aus ungeklärten Gründen immer häufiger.
- → Die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes hat beständig Kontakt mit Lebensmittel-Allergenen, die Gegenreaktionen des Abwehrsystems hervorrufen können.
- → Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Die meisten Lebensmittel-Allergene werden normalerweise durch säurebedingte Verdauung zerstört. Ist jedoch der pH-Wert des Magensaftes so erhöht wie bei PPI-behandelten Patienten (ist also der Magensaft praktisch nicht mehr sauer, sondern neutral), findet diese Zerstörung der allergenen Eiweiße nicht mehr statt.
- → Weitere Studien zeigen: PPIs erhöhen die Durchlässigkeit (Permeabilität) der Schleimhaut im Magen-Darmtrakt. Dies kann die Aufnahme von unzerstörten Eiweiß-Allergenen in den Körper erleichtern.
- → In Versuchen mit PPI-behandelten Tieren kommt es bei einer Kaviar-Diät zu einem kaviar-spezifischen Anstieg von allergietypischen Abwehrsubstanzen (IgE-/Immunglobulin E-Antikörper), zu einer erhöhter Reaktionsbereitschaft von für Allergie-Symptome verantwortlichen T-Lymphozyten und zu einer eosinophilen Magenschleimhaut-Entzündung.
- → Bei menschlichen Patienten kommt es bei dreimonatiger säuresekretionsblockierender Therapie zu einem Anstieg der IgE-Antikörperspiegel im Blut und ganz neuen, nahrungsmittelspezifischen IgE-Antikörpern.
Hieraus ziehen die Autoren den Schluss, dass Medikamente, die die Säurebildung oder Säurefreisetzung im Magen stark unterdrücken, die Säureverdauung von Nahrungseiweißen stört und die Durchlässigkeit der Magen-Darm-Schleimhaut für allergene Eiweiße und Eiweiß-Bruchstücke erhöht, was letztlich zur Entwicklung von Lebensmittel-Allergien führt. In den letzten Jahrzehnten hat die allergische (eosinophile) Speiseröhren-Entzündung fast um das dreißigfache zugenommen [2]. Der zeitliche Zusammenhang dieser Häufigkeits-Zunahme mit der Einführung und dem anschließenden breiten Einsatz von PPIs fügt sich ebenfalls gut in die Hypothese ein, dass PPIs ursächlich an der Zunahme solcher Lebensmittel-Allergien beteiligt sind. Da alleinige statistische und aus bestimmter Sicht plausible Assoziationen noch kein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang sind, empfehlen die Autoren zur Klärung dieser Frage weitere Studien.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, 2009.
- Merwat SN, Spechler SJ: Might the use of acid-suppressive medications predispose to the development of eosinophilic esophagitis? Am J Gastroenterol. 2009 Aug;104(8):1897-902 (Medline).
- Prasad GA, Alexander JA, Schleck CD, Zinsmeister AR, Smyrk TC, Elias RM, Locke GR 3rd, Talley NJ: Epidemiology of Eosinophilic Esophagitis Over 3 Decades in Olmsted County, Minnesota. Clin Gastroenterol Hepatol. 2009 Jul 1 (Medline).

