Selbstbehandlung von Sodbrennen ja, aber nicht immer
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Menschen, die unter Sodbrennen und saurem Aufstoßen leiden, können seit 2009 freiverkäufliche Arzneimittel aus allen drei großen Wirkstoffklassen ohne Rezept in Apotheken kaufen. Je wirksamer diese Mittel sind, um so wichtiger ist es, dass Sodbrennen-Betroffene und Apothekenpersonal genau wissen, wann die Selbstbehandlung (Selbstmedikation) in Ordnung ist und wann nicht. Eine multinationale Expertengruppe hat sich im Oktober 2009 im Fachblatt Digestion dazu geäußert. Bei bestimmten Alarmsymptomen, bei für Sodbrennen untypischen Beschwerden sowie bei bestimmten Risikofaktoren sollte eine Sodbrennen-Selbstbehandlung vermieden werden.
→ Zu den wichtigen Alarmsymptomen gehören:
- ungewollter Gewichtsverlust
- blutiges Erbrechen
- schwarzer Stuhlgang (als Hinweis auf Blut im Stuhl)
- (unangenehme) Schluckbeschwerden jeder Art, auch Erbrechen
- besonders auch Schmerzen beim Schlucken (unabhängig von akuten grippalen Infekten)
- stark ausgeprägte Beschwerden wie besonders schmerzhaftes Brennen hinter dem Brustbein, oder saurer Magensaft-Rückfluss bis in Mund oder Nase
→ Zu den für Sodbrennen untypischen oder wenig spezifischen Beschwerden gehören:
- Schmerzen im Brustkorb („Thoraxschmerz“)
- vornehmlich Schmerzen im Oberbauch („Epigastrium“), das ist die Region zwischen dem vorderen Ende der Rippen und dem Bauchnabel
- häufiges Aufstoßen/Rülpsen (auch ohne sauren Geschmack)
- Heiserkeit
- Halsweh
- Husten
→ Sonstige Risikofaktoren
- Alter über 40 Jahre in Ländern, in denen Magenkrebs häufig ist (zum Beispiel China, Russland), sonst Alter über 50-55 Jahre
- neu aufgetretene Refluxerkrankung bei Menschen im Alter über 45 Jahre
- Krebserkrankungen von Magen oder Speiseröhre in der Familie
- Dauer-Anwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, schmerz- und entzündungslindernde Wirkstoffe, oft freiverkäuflich), besonders bei chronisch-rheumatischen Erkrankungen
Die drei großen Wirkstoffklassen bei säurebedingten Refluxbeschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen
- Antazida. Diese sehr unterschiedlich zusammengesetzte Wirkstoffgruppe neutralisiert chemisch die Säure direkt im Magen. Damit wird auch der Magensaft, der in die empfindliche Speiseröhre zurückfließt weniger sauer und damit weniger schmerzauslösend sein. Um die mögliche rasche, hohe Wirksamkeit ohne Nebenwirkungen zu erzielen, sollten nur wirksame Antazida auf Grundlage von Aluminium-Magnesium-Hydroxid ausgewählt werden (zum Beispiel Maaloxan®).
- H2-Blocker. Diese Wirkstoffgruppe war entscheidend bei der Bekämpfung der oft lebensbedrohlichen Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre (Ulcus). Zur Linderung von Sodbrennen entscheiden sich viele Betroffene jedoch gegen diese Präparateklasse.
- Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI). Wirkstoffe aus dieser Gruppe verhindern hochwirksam und nachhaltig die Freisetzung von Säure aus Zellen der Magenschleimhaut. Sie werden zur Behandlung aller schweren, säureassoziierten Erkrankung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm eingesetzt. Nach Prüfung ihrer Sicherheit auch bei der Kurzzeit-Anwendung sind einige PPIs seit 2009 auch ohne Rezept in Apotheken erhältlich (zum Beispiel Omeloxan®).
Grundsätzliche Regeln bei Sodbrennen-Selbstmedikation
- → Stehen nicht Sodbrennen (= brennendes, schmerzhaftes Gefühl hinter dem Brustbein) und/oder saures Aufstoßen im Vordergrund der Beschwerden, ist medizinische Hilfe nötig.
- → Treten Sodbrennen oder saures Aufstoßen im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auf oder im Zusammenhang mit Medikamenten auf, die seit kurzem neu eingenommen werden, sollte ebenfalls ein Arzt befragt werden.
- → Führt die Selbstbehandlung nicht innerhalb von zwei bis vier Wochen zur vollständigen oder wenigstens teilweisen Beschwerde-Befreiung, ist ebenfalls eine medizinische Betreuung notwendig.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, April 2010.
- Haag S, Andrews JM, Katelaris PH, Gapasin J, Galmiche JP, Hunt R, Layer P, Malfertheiner P, Holtmann G: Management of reflux symptoms with over-the-counter proton pump inhibitors: issues and proposed guidelines. Digestion. 2009;80(4):226-34 (Medline).
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