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Sodbrennen: Säureblocker hochwirksam, Placebos nicht

Sodbrennen: Säureblocker hochwirksam, Placebos nicht

Refluxbedingtes Sodbrennen ist etwas Besonderes, genauso wie die Behandlung dieser häufigsten Gesundheitsstörung, wie jetzt eine US-Studie zur Wirksamkeit von Placebos bei der Refluxkrankheit zeigt. Forscher aus Boston konnten nachweisen, dass Scheinarzneimittel bei der Refluxkrankheit sehr viel seltener wirken als bei anderen Magen-Darm-Erkrankungen. Eine Ursache wird in der Schwere der Erkrankung gesehen, bei der Glaube an eine Arzneiwirkung alleine nicht mehr weiterhilft, sondern nur eine wirksame medikamentöse Behandlung.

Wissenschaft  In die zusammenfassende Analyse wurden nur Studien eingeschlossen, bei denen ein vollständiges Verschwinden der Sodbrennen-Symptomatik als Studienziel erfasst worden war. Alle kontrollierte Studien untersuchten den Einsatz von Säureblockern (Protonen-Pumpen-Inhibitoren - PPI) oder Hemmstoffen der Magensäurebildung (H2-Rezeptor-Antagonisten - H2RA, H2-Blocker) im Vergleich mit Placebo. Insgesamt wurden 9.989 Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit in 24 Studien in die Metaanalyse eingeschlossen. Dabei zeigte sich, dass das gepoolte Chancenverhältnis für das therapiebedingte Verschwinden von Sodbrennen unter den beiden untersuchten Wirkstoffgruppen 3,71mal höher war als unter Placebobehandlung [95% KI: 2,78-4,96]. Der gepoolte Erwartungswert für eine vollständige Placebowirkung betrug 18,85% [Bereich 2,94%-47,06%]. Dabei hatten Patienten mit erosiver Ösophagitis, also entzündlichen Schäden ihrer Speiseröhren-Schleimhaut, geringere Placebo-Ansprechraten als Patienten ohne solche Veränderungen (11,87% und 18,31%, jeweils; p=0,246). Die Placebo-Ansprechraten war in PPI-Studien signifikant niedriger als in H2-Blocker-Studien (14,51% vs. 24,69%, jeweils; p=0,05). Die Ansprechrate auf die aktive Therapie reichte bis zu 80 Prozent.

Bewertung  Zunächst erscheint eine Placebo-Ansprechrate von knapp 20 Prozent bei Patienten mit symptomatischer Refluxkrankheit erheblich. Verglichen mit etlichen anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes ist der Wert jedoch eher gering. Bei Reizmagen oder Reizdarm kann Placebo - also ein wirkstofffreies, arzneimittelähnliches Präparat - zu therapeutischen Reaktionen bei über 40 Prozent der Behandelten führen. Im Gegensatz zur Refluxkrankheit handelt es sich dabei aber oft um Gesundheitsstörungen, die der „Spiegel“ in der Titelgeschichte „Die Abschaffung der Gesundheit“ (August 2003) als erfundene Krankheiten bezeichnet, zum Beispiel das Reizdarmsyndrom. Ärzte bezeichnen solche Beeinträchtigungen des subjektiven Wohlbefindens gerne als „funktionelle Störungen“. Diese Einschätzung wird auch durch den oben erwähnten Befund bestätigt, dass die Ansprechrate unter Placebotherapie bei endoskopisch nachweisbaren Schäden der Speiseröhren-Schleimhaut erkennbar geringer ist, als bei unveränderter Schleimhaut. Dass alleine der Glaube an eine positive Medikamenten-Wirkung bei solchen Schädigungen und bei chronischer Refluxkrankheit überhaupt nicht besonders weit hilft, ist leicht nachvollziehbar.

Rätsel  Unklar ist das Ergebnis, warum die Placebo-Erfolgsrate bei PPI-Studien etwa 85 Prozent niedriger lag als bei Therapiestudien mit H2-Blockern. Nicht zuletzt, weil Placebo-Ansprechraten normalerweise um so höher liegen, je wirksamer eine Therapie ist (PPIs sind bei säureassoziierten Erkrankungen erheblich wirksamer als H2-Blocker). Die Autoren vermuten, dass nach Einführung der PPIs oft Patienten in Therapiestudien eingeschlossen wurden, die auf H2-Blocker nur wenig angesprochen hatten, also insgesamt unter mehr Beschwerden litten. Damit ist eine vollständige Symptombefreiung unter PPI weniger wahrscheinlich als unter H2-Blocker - sowohl bei aktiver Behandlung als auch bei Placebos.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Die vorgelegte Studie spricht ein hochnotpeinliches Thema innerhalb der Ärzteschaft an: Es gibt Gesundheitsstörungen, die sind eben – auch , wenn sie überaus häufig sind! – ernsthafte Krankheiten. Und zwar auch jenseits des individuellen Leidensdruckes von Betroffenen. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass Placebos nicht besonders wirksam sind, sondern nur aktive Therapien wie zum Beispiel mit modernen Säureblockern. Ärzte sollten lernen, dass Sodbrennen und saures Aufstoßen bei Millionen von Patienten keine Banalität ist. Sondern Symptome einer Krankheit, die die volle professionelle Aufmerksamkeit und eine wirksame Therapie verdienen. Patienten, die mit gelegentlicher Einnahme von Anti-Sodbrennenmitteln nicht zurecht kommen, sollten genau dies von ihrem behandelnden Arzt einfordern.

Autor
Quellen
  • Cremonini F, Ziogas D, Chang HY, Kokkotou E, Kelly J, Conboy L, Kaptchuk TJ, Lembo AJ: Meta-analysis: the effects of placebo treatment on gastro-oesophageal reflux disease. Aliment Pharmacol Ther. 2010 Mar 26. (Medline).
  • Bildquelle: 370.000 ClipArts . Naumann & Göbel, Köln, 2001 (ISBN 3625153939).
Weitere Information bei Sodbrennen-Welt.de

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