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Sodbrennen-Neuerkrankungen: Im Winter häufiger als im Sommer

Sodbrennen-Neuerkrankungen: Im Winter häufiger als im Sommer

Viele Erkrankungen treten jahreszeitlich gehäuft auf – auch Sodbrennen und andere säurebedingte Erkrankungen von Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm. Dies zeigt erstmals eine Studie taiwanesischer Forscher bei rund 75.000 Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit [1]. Das sind Beschwerden, die in der Speiseröhre durch unangemessen langen Kontakt mit aus dem Magen zurückgeflossener Säure entstehen (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schmerzen hinter dem Brustbein). Über die Ursachen der jahreszeitlichen Schwankungen besteht jedoch noch keine Klarheit.

Das beeindruckendste Beispiel jahreszeitlicher Effekte auf die Gesundheit in Deutschland ist die deutlich erhöhte Sterblichkeit im Frühling, für die es bislang keine eindeutige Erklärung gibt.

Ob die von erfahrenen Ärzten immer wieder einmal berichtete Häufung von Sodbrennen-Beschwerden im Herbst und vor allem Winter mit klimatischen Bedingungen zusammenhängt, prüften nun Forscher der Medizinischen Universität Taipeh. Hierzu wurden die taiwanweiten Daten von 76.636 Patienten mit gesicherter Reflux-Krankheit (Endoskopie, 24-Stunden-pH-Metrie) analysiert, die sich im Zeitraum 2001 bis 2006 zu einer ambulanten ärztlichen Behandlung vorgestellt hatten. Hieraus wurde die monatliche Neuerkrankungsrate („Inzidenz“) über 72 Monate berechnet, jeweils auch nach Geschlecht und Alter gruppiert (19-44, 45-64, und =65 Jahre). Zwischen diesen Inzidenz-Werte und wichtigen jahreszeit-abhängigen Wetterangaben – Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Niederschlagsmenge, Sonnenscheindauer – wurde dann nach möglichen statistischen Zusammenhängen gesucht.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Es fand sich eine saisonale Häufigkeitsgipfel von Sodbrennen, saurem Aufstoßen oder Schmerzen hinter dem Brustbein zwischen Oktober und Dezember sowie ein scharfer Abfall der Neuerkrankungszahlen im Januar sowie eine Talsohle im Februar jeden Jahres. Diese Verläufe fanden sich unabhängig von Geschlecht und/oder Alter der Patienten. Als besonders ausgeprägt („statistisch signifikant“) stellte sich die Assoziation der Sodbrennen-Inzidenz mit der Jahreszeit für alle Studienteilnehmer, für Reflux-Patientinnen sowie für Patienten in den Altersgruppen ab einem Alter von 45 Jahren heraus. Als statistisch signifikant schützender Faktor, zumindest bei Männern sowie Menschen über 65 Jahre, erwies sich die relative Luftfeuchtigkeit.

Prozentuale Abweichung vom Durchschnitt der monatlich Reflux-Neuerkrankungsrate
(pro 10.000 der Bevölkerung, entsprechend Alter und Geschlecht) [1].

Die Autoren gestehen ein, dass ihre Studie mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Dennoch versuchen sie für die beobachteten saisonalen Veränderungen mehr oder weniger stichhaltige Erklärungen zu liefern.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Die vorgelegte Studie stellt eine äußerst berechtigte Frage: Welche Einflüsse – auch aus der Umwelt – können Sodbrennen auslösen oder verschlimmern? Ob die Ergebnisse auf mitteleuropäische Verhältnisse übertragbar sind, ist fraglich. Taiwan hat im Gegensatz zu Deutschland ein teilweise tropisches, teilweise subtropisches und nur in den Höhenlagen ein gemäßigtes Klima. Immerhin: Die Häufigkeit der Verwendung des Suchwortes „Sodbrennen“ bei der Suchmaschine Google (siehe Grafik) zeigt auch für Deutschland ausgeprägte jahreszeitliche Schwankungen mit einem Höhepunkt im Januar und einer deutlichen Talsohle zwischen Frühling und Sommerbeginn.

© Google, Mountain View (USA), 2010.

Natürlich können solche wissenschaftlichen Studien auch ganz lebenspraktische Fragen beantworten helfen. Zum Beispiel: Wie können Sodbrennen-Patienten besser mit ihren Beschwerden umgehen? Oder: Wie können Ärzte durch geeignete Beratung die Behandlungs-Ergebnisse verbessern? Und: Gibt es vielleicht Reiseziele (regnerisch und feucht), die chronischen Sodbrennen-Patienten wenigstens für einige Urlaubs-Wochen das Leben erleichtern?

Autor
Quellen
  1. Chen KY, Lou HY, Lin HC, Lee SH: Seasonal variation in the incidence of gastroesophageal reflux disease. Am J Med Sci. 2009 Dec;338(6):453-8 (Medline).

© multiMEDvision GbR, Berlin, 1992-2018. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht: Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich.
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