Sodbrennen bei Wellenreitern besonders häufig
Die meiste Zeit ihrer sportlichen Aktivität liegen Wellenreiter auf dem Bauch und paddeln in Richtung Welle. |
Sommer, Sonnenschein, Wellenreiten im Ferien-Paradies Hawaii – was hat das mit Sodbrennen zu tun? Sehr viel, wie jetzt eine Studie der Universität Hawaii zeigt. Denn: Surfer leiden überdurchschnittlich häufiger an Reflux-Problemen wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen als andere Athleten [1].
Die Studie der Arbeitsgruppe um den Internisten Dr. Yashuhiro Norisue umfasste 185 Surfer und 178 Nicht-Surfer (letztere betrieben jedoch zahlreiche andere Sportarten, v. a. Tennis, Laufen, Walking und Basketball). Ziel war es, jeweils die Häufigkeit der gastro-ösophagealen Reflux-Krankheit („GERD“) mit Beschwerden wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen zu erfassen (Definition: GERD-Symptome an mindestens zwei Tagen pro Woche). Elemente der Krankengeschichte, Beschwerdestärke und -ausprägung sowie verschiedene Risikofaktoren wurden – neben Beschreibung der sportlichen Aktivitäten – per standardisiertem Fragebogen erfasst.
Es zeigte sich, daß Surfer signifikant häufiger unter einer Reflux-Krankheit litten als Nicht-Surfer (21% gegenüber 7%). Die subjektive Beschwerdestärke unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Ein weiterer signifikanter Befund: Athleten, die vor allem kurze Surfbretter benutzen („short-boarders“) haben am häufigsten eine Reflux-Krankheit (28%), während Nutzer von langen Brettern („long-boarders“) weniger Probleme damit haben (12%). Sodbrennen und andere Refluxprobleme der Wellenreiter stehen zudem in einer klaren „Dosis-Wirkungskurve“ zu einander: Je länger (in Lebensjahren) und je häufiger (pro Woche) gesurft wurde, um so stärker war die Reflux-Symptomatik. Surfer, so zeigte die Untersuchung schließlich, kennen und berücksichtigen den Zusammenhang von Nahrungs-Aufnahme vor dem Sport und den Refluxbeschwerden beim Sport – die meisten essen deshalb mindestens eine Stunde vor dem Wellenreiten nichts mehr.
Mechanistisch erklärt die Körperhaltung beim Surfen diese Studien-Ergebnisse. Anders als die oft spektakulären, von heroisch im Dialog mit den Natur-Gewalten auf ihren Brettern stehenden Wellenreitern vermuten lassen, liegen Surfer überwiegend mit dem Bauch auf ihren Brettern und paddeln in Richtung der erhofften Wellen. Dabei werden besonders die Arm- und Brustmuskulatur, das Zwerchfell und die Bauchmuskulatur in Anspruch genommen. Zudem übt das Körpergewicht bei Liegen einen erheblichen Druck auf den Bauch aus. Dieser Druck kann stärker als der Verschluß-Druck des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen werden, was dann den Rückfluß von Magensaft in die Speiseröhre zur Folge hat. Besonders stark ist die Belastung auf kurzen Surfbrettern, während sich das Körpergewicht auf längeren Brettern physiologischer verteilt.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Auch wenn Sodbrennen von Hawaiianischen Wellenreitern nicht unbedingt ein drängendes Gesundheitsproblem dieser Welt ist, stellt sich vor allem eine Frage: Warum haben Hawaianische Athleten, die nicht Wellenreiten betreiben, so selten Sodbrennen oder saures Aufstoßen (7%), während Sportler bei uns besonders refluxgefährdet sind (Auch Sport kann Sodbrennen auslösen, bis 17%)? Übrigens: Rund vier Prozent der Sportler beider Gruppen in dieser Studie nutzten Antazida regelmäßig, um ihre Beschwerden zu kontrollieren.
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Mai 2010.
- Norisue Y, Onopa J, Kaneshiro M, Tokuda Y: Surfing as a risk factor for gastroesophageal reflux disease. Clin J Sport Med. 2009 Sep;19(5):388-93 (Kurzfassung).
- Bildquelle: petergoli - Fotolia.com

