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        +++         Rätselraten: Unerklärliche Über-Therapie mit Säureblockern.         +++         Schwangeren-Sodbrennen: Behandlung oft problematisch.         +++         Antazida gegen Sodbrennen älterer Flugreisender.

Auch Gallensaft schädigt die Speiseröhre und verursacht Sodbrennen

Körpersäfte

Normale Körpersäfte (Galle = grün) werden giftig, wenn sie die falschen Organe erreicht (rot)

Zahlreiche Patienten mit chronischer Reflux-Krankheit leiden trotz Langzeit-Behandlung mit hochwirksamen Säureblockern („Protonen-Pumpen-Inhibitoren“ = PPI) weiter an Beschwerden wie Sodbrennen oder nächtlichem reflux-bedingtem Husten. Eine Ursache hierfür ist ein Rückfluss von gallehaltigem Verdauungssaft aus dem Zwölffingerdarm über den Magen bis in die Speiseröhre („duodeno-gastro-ösophagealer Reflux“ = DGER). Forscher der Uni Marburg haben jetzt herausgefunden, dass eine hochwirksame Säureblockertherapie bei immerhin jedem zweiten Reflux-Patienten einen zu Beginn der Behandlung bestehenden DGER verschwinden lässt [1].

Diagnostik  Schon lange ist klar, dass Gallenbestandteile die Speiseröhre und sogar die Atemwege erreichen können, dass sie wesentlich auch an unerwünschten Veränderungen der Speiseröhren-Schleimhaut („Barrett-Ösophagus“) mit schuld sind oder für die gelegentliche Wirkungslosigkeit von PPIs verantwortlich zeichnen (Sodbrennen-Therapie wirkungslos? Gallensaft könnte schuld sein!). Was neu ist, dass es moderne diagnostische Verfahren erlauben, das tatsächliche Ausmaß des Gallenrefluxes zu erfassen. Kurz:

Studie  Im Rahmen der Marburger Studie wurden 30 Patienten mit kombiniertem Reflux (also mit „einfachem“ Magensaft-Reflux und gleichzeitigem DGER) eingeschlossen. In allen Fällen war der kombinierte Reflux mit pH-Metrie und Bilitec nachgewiesen. Ergänzt wurde die Diagnostik durch Magenspiegelungen sowie Beschwerde-Erfassung mittels eines standardisierten Fragebogens. Die Behandlung bestand aus dem PPI-Säureblocker Pantoprazol in hoher Dosierung (80 mg/Tag) für 6-8 Wochen. Sowohl die pH-Metrie, Bilitec und Erfassung der klinischen Beschwerden wurden im Studienverlauf wiederholt.

Ergebnisse  Es zeigte sich wie zu erwarten, dass die hochdosierte PPI-Behandlung den sauren Reflux bei 93% der Patienten normalisieren konnte. Gleichzeitig verringerte sich auch der DGER signifikant: Bei jedem zweiten Patient bliebt der DGER auch unter PPI-Therapie bestehen, bei der anderen Hälfte der Betroffenen konnte eine Normalisierung erreicht werden. Jene Patienten, bei denen der Rückfluss von Gallenbestandteilen unter PPI-Behandlung bestehen blieb, hatten bereits vor Therapiebeginn einen signifikant stärkeren Galle-Rückfluss. Bei allen Patienten stieg der mittels Fragebogen erfasste Lebensqualitäts-Index deutlich an. Patienten, bei denen der Gallerrückfluss weiterhin bestand, gaben jedoch eine geringere Verbesserung ihrer Beschwerden an, besonders Sodbrennen und nächtlicher Husten blieben bestehen. Die Autoren resümieren, dass eine Hochdosis-PPI-Therapie effektiv die saure Komponente (Magensäure) bei einem kombinierten Reflux verringert. Die Gallensaft-Komponente wird jedoch nur bei jedem zweiten Patienten verringert, was eine Ursache der weiter bestehenden Reflux-Beschwerden sein dürfte.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Die vorgestellte Studie enthält mehr Sprengstoff und mögliche Konsequenzen für Menschen mit chronischer Reflux-Krankheit als zunächst deutlich wird:

  • Sodbrennen, saures Aufstoßen oder krebsfördernde Folgen von chronischem Reflux stehen wesentlich im Zusammenhang mit zurückfließenden Gallebestandteilen. Dass unter hochdosierter PPI-Therapie weniger Gallensaft die Speiseröhre erreicht, dürfte lediglich daran liegen, dass PPIs die Menge von saurem Magensaft verringern und so weniger gallehaltige Flüssigkeit die Speiseröhre erreicht. PPIs haben hingegen keine Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit oder ihre erhebliche Schädlichkeit für die Speiseröhren-Schleimhaut.
  • Die chronische Reflux-Krankheit ist im wesentlichen eine Funktionsstörung der Muskulatur von Speiseröhre, Magen, Darm und den jeweiligen „Schließmuskeln“ dazwischen. Magensäure oder Gallensaft sind somit lediglich Auslöser von Beschwerden oder weiterer Langzeitfolgen der chronischen Reflux-Krankheit. Die oft sehr mechanistischen, alleine auf ein angebliches Zuviel von Magensäure bezogenen Kausalvorstellungen bei chronischer Reflux-Krankheit erklären, warum ärztliche Therapien bei Sodbrennen-Patienten so oft versagen.
  • Zur Behandlung einer kombiniertem Reflux-Krankheit steht kein vollständiges medikamentös realisierbares Konzept zur Verfügung. Lediglich die magensäure-verringernde Komponente (PPI, H2-Blocker, Antazida) ist vorhanden. Eine wünschenswerte Anregung der Muskelbewegung im Verdauungsschlauch („Peristaltik“) durch sogenannte Prokinetika ist nicht mehr möglich, weil die Substanzgruppe schon vor Jahren wegen ihrer Nebenwirkungen vom Markt genommen wurde.
  • Ob Antireflux-Operationen nicht nur den Rückfluss von saurem Magensaft, sondern auch von Gallenbestandteilen in die Speiseröhre verringern, ist noch nicht ganz sicher belegt. Erste Ergebnisse sind allerdings ermutigend, und müssen jetzt in großen Studien belegt werden [2].
  • Immerhin: Von modernen Antazida (z. B. Maaloxan®) ist bekannt, dass sie auch Gallenbestandteile wirksam abpuffern, also entgiften können. Beispielsweise aggressive Verdauungs-Enzyme oder Gallensäuren (Sodbrennen-Behandlung: Eindeutiges Plädoyer für Antazida). Dies erklärt, warum viele Patienten mit unbefriedigender Beschwerdelinderung bei ihrer PPI-Behandlung oft eine erhebliche Verbesserung ihrer Symptome erleben, wenn sie ein wirksames Antazidum (nach Bedarf) zusätzlich einnehmen.
Autor
Quellen
  1. Kunsch S, Neesse A, Linhart T, Steinkamp M, Fensterer H, Adler G, Gress TM, Ellenrieder V: Impact of pantoprazole on duodeno-gastro-esophageal reflux (DGER). Z Gastroenterol. 2009 Mar;47(3):277-82 (Kurzfassung).
  2. Elhak NG, Mostafa M, Salah T, Haleem M: Duodenogastroesophageal reflux: results of medical treatment and antireflux surgery. Hepatogastroenterology. 2008 Jan-Feb;55(81):120-6 (Kurzfassung).

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