Huhn oder Ei? Schlafstörungen bei Sodbrennen-Patienten
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Mehr als die Hälfte aller Patienten mit Rückflusss von Mageninhalt in die Speiseröhre („gastro-ösophageale Refluxkrankheit“, kurz „Reflux-Krankheit“ oder abgekürzt „GERD“) berichten von Sodbrennen-Beschwerden, die sie des Nachts aus dem Schlaf holen. US-Wissenschaftler haben jetzt bestätigt, dass dieser Zusammenhang zwar existiert, aber völlig anders als erwartet: Meist erwachen die Betroffenen zuerst und bekommen erst dann Reflux-Beschwerden [1].
Mit der kleinen US-Studie sollte untersucht werden, ob und welcher Zusammenhang zwischen der Häufigkeit bewussten Erwachens und Phasen von Säure-Reflux vom Magen zurück in die Speiseröhre während des Schlafes existiert. Und ob es bei Reflux-Patienten eine spezielle Beziehung von Sodbrennen-Beschwerden zum nächtlichen Säure-Reflux gibt (im Vergleich zu gesunden Probanden). Insgesamt wurden 39 Patienten mit Sodbrennen und/oder saurem Aufstoßen (mindestens dreimal wöchentlich) sowie neun gesunde Personen als Kontrollen in die Studie einbezogen. Alle Probanden unterzogen sich einer kontinuierlichen Säuremessung in der Speiseröhre, einer sogenannten pH-Metrie. Zudem wurden alle Personen während der Nacht an einen, in der Schlafmedizin eingesetzten Aktigraphen angeschlossen, der nächtliche Körperbewegungen registriert und aufzeichnet. Mit spezieller Software wurden die Daten beider Messverfahren verarbeitet, mit besonderem Schwerpunkt auf die Stärke der Aktivitäten und ihre zeitliche Übereinstimmung, sowie die Beziehung zu Phasen bewussten Erwachens und den Zeitpunkten, zu denen die Probanden über Sodbrennen-Beschwerden klagten.
Es zeigte sich, dass die Reflux-Patienten des Nachts insgesamt etwa zehnmal häufiger wach wurden als gesunde Kontrollpersonen (104-mal gegenüber 11-mal). Die Anzahl der bewusst erlebten Wachphasen lag pro Sodbrennen-Patienten etwa dreimal so hoch wie bei Menschen ohne GERD. Jedes zweite bewusste Erwachen bei den Reflux-Patienten war mit Säure-Reflux vom Magen zurück in die Speiseröhre assoziiert (51,9%). Wachphasen der gesunden Kontrollprobanden standen in keinem Fall mit Säure-Reflux in Zusammenhang.
Anders als nach den Schilderungen vieler Sodbrennen-Patienten zu erwarten, klagten die Probanden mit Reflux-Krankheit nur bei 16,3% der Phasen mit bewusstem Erwachen über Sodbrennen oder saures Aufstoßen. In allen anderen Fällen wurde beim Erwachen nicht von Sodbrennen berichtet. Und noch unerwarteter: In den meisten Fällen, in denen Reflux-Patienten in Zusammenhang mit gemessenem Säure-Reflux erwachten (85,6%), kam es erst nach dem bewussten Erwachen zu dem pH-metrisch bestimmten Reflux und nicht vorher.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Wie oft in der Berichterstattung von Sodbrennen-Welt.de ist auch bei dieser Studie festzustellen (wenn die Ergebnisse in Folge-Untersuchungen bestätigt werden): Sodbrennen ist nicht nur häufig, sondern auch mit gewissen Geheimnissen verknüpft (z. B. entspricht die erhöhe Lebenserwartung von Sodbrennen-Patienten nicht den üblichen Erwartungen). Die vorgestellte Studie scheint die vermutete Kausalität – zuerst Säure-Reflux, dann säurebedingtes Sodbrennen und dann bewusste, schmerzbedingte Wachphase – auf den Kopf zu stellen. Dies lässt nur einen Schluss zu: Sodbrennen ist eine weitaus komplexere Störung von Körperfunktionen als oft angenommen. Im Zusammenhang mit dieser Funktionsstörung könnte es über Nerven- oder Hormonsignale zunächst zum Erwachen und anschließend auch zu einer Funktionsstörung des Speiseröhren-Schließmuskels mit nachfolgenden refluxbedingten Beschwerden kommen.
Während die wissenschaftliche Bedeutung dieser Befunde noch ausführlich zu bewerten ist (wer war zuerst da: das Huhn oder das Ei?), deutet die vorgestellte Arbeit jedoch auf ein ganz anderes, und für Betroffene weitaus schwerwiegenderes Problem hin: Sodbrennen ist in ganz erheblichem Umfang mit Schlaflosigkeit (in Form von häufigem Erwachens) assoziiert. Ein Gutteil der gestörten Befindlichkeit vieler Sodbrennen-Patienten, ihr verringertes Wohlbefinden und ihre reduzierte Lebensqualität sind durch Schlafstörungen und deren Folgen am Tag mitbedingt. Chronische Sodbrennen-Patienten sollten deshalb beim Arztgespräch immer auch ihre Schlafprobleme erwähnen. Und bedenken, dass gerade die Kontrolle nächtlicher Refluxbeschwerden, z. B. mit wirksamen Säureblockern (wie z. B. Omeloxan®) dabei hilft, die Schlafqualität zu verbessern, die Produktivität am Tage zu erhöhen und das Wohlbefinden wieder zu heben [2].
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Juli 2010.
- Poh CH, Allen L, Gasiorowska A, Navarro-Rodriguez T, Quan SF, Malagon I, Powers J, Willis MR, Ashpole N, Fass R: Conscious Awakenings Are Commonly Associated With Acid Reflux Events in Patients With Gastroesophageal Reflux Disease. Clin Gastroenterol Hepatol. 2010 Jun 1 (DOI).
- Johnson D, Crawley JA, Hwang C, Brown K: Clinical trial: esomeprazole for moderate-to-severe nighttime heartburn and gastro-oesophageal reflux disease-related sleep disturbances. Aliment Pharmacol Ther. 2010 Jul;32(2):182-90 (DOI).
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