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Zunahme von PPI-Rezepten nicht durch Ärzte-Aufklärung zu stoppen

Auch verstärkte Ausbildungs-Bemühungen bei Ärzten können offenbar nicht verhindern, dass beliebte Arzneimittel gegen Sodbrennen oder Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre zu häufig verordnet werden, wie jetzt eine Studie aus den Niederlanden zeigt [1]. Aus Sicht der Forscher könnte dieses Problem in Zukunft umgangen werden, wenn der Fokus der Aufklärung eher auf Patienten ausgerichtet wird.

Dr. Hugo M. Smeets von der Universität Utrecht und seine Kollegen haben versucht, das Problem der übermäßigen und zu langen Verwendung von säureblockierenden Arzneimitteln, vor allem von Protonenpumpenhemmer (PPI, z. B. Omep® oder Pantozol®), zu lösen. Diese Medikamente bieten „schnelle und wirksame Linderung“ von Sodbrennen, Aufstoßen und anderen magensäurebedingten Beschwerden. Deshalb sind sie in Deutschland auch ohne Rezept in jeder Apotheke erhältlich (zum Beispiel Omeloxan®). Allerdings: Bei den von Ärzten verordneten Protonenpumpenhemmern gibt es viele Hinweise, dassszu vielelelelelee Patienten diese Mittel zulange verordnet bekommen, wie Smeets und sein Team in der renommierten US-Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine ausführen (siehe auch Abbildung zur PPI-Verordnung in Deutschland).

Verordnungen von Ulkustherapeutika 1999 bis 2008. Gesamtverordnungen nach definierten Tagesdosen [2].

Verordnungen von Ulkustherapeutika 1999 bis 2008. Gesamtverordnungen nach definierten Tagesdosen [2].

Bei den meisten Erkrankungen, bei denen PPIs verwendet werden, vor allem bei der gastrointestinalen Refluxkrankheit (GERD), reicht eine Einnahme von ein bis zwei Wochen aus, um die Beschwerden bei Bedarf erfolgreich zu lindern oder zu beseitigen. Doch mehr als ein Drittel der PPI-Verwender nehmen die hochwirksamen Präparate an mehr als 180 Tagen ein, so die niederländischen Forscher. Und genau dies macht die Probleme: Bei häufiger und langdauernder PPI-Einnahme entstehen Risiken wie gehäufte Infektionen von Lungen oder Magen oder es steigt die Gefahr von Knochenschwund (Osteoporose).

Im Rahmen der niederländischen Studie sollte geprüft werden, ob besonders Haus- und Allgemeinärzte dabei helfen könnten, die Verordnungen und den Verbrauch von PPIs zu verringern. Dazu wurden per Zufallsverfahren rund 1.000 Haus- und Allgemeinärzte, entweder einer Gruppe zugeordnet, die zu dem Thema speziell aufgeklärt wurde oder einer Gruppe ohne Informationskampagne. Die ausgewählten Ärzte versorgten zusammen annähernd eine Million Patienten im Zentrum der Niederlande. Die Aufklärungs-Kampagne war von einer großen Krankenversicherung ins Leben gerufen worden, um überflüssige PPI-Verordnung zu reduzieren. Etwa 2 Prozent aller Patienten in der Studie nahmen über lange Zeit Säureblocker ein (23.433 Personen).

Alle Ärzte der Aufklärungsgruppe erhielten

Die Ergebnisse der sechsmonatigen Studie waren ernüchternd: Lediglich 14 Prozent der Patienten sowohl in der Interventions- als auch der Kontrollgruppe verringerten die Einnahme von Säureblockern um mehr als 50 Prozent. Es zeigten sich keinerlei Unterschiede zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich Veränderungen der durchschnittlichen Zahl ärztlicher Verordnungen pro Patient. Die Studie konnte somit keinen Effekt der ärztlichen Informations- und Aufklärungskampagne auf das PPI-Verordnungsverhalten feststellen. Aus Sicht der niederländischen Forscher sollten sich zukünftige Kampagne vermehrt an die betroffenen Patienten wenden, um ihnen die Vor- und Nachteile einer überzogen verlängerten, medizinisch fragwürdigen PPI-Verwendung vor Augen zu halten.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Das eigentliche Problem liegt – nicht nur in den Niederlanden – in grundlegenden Fehlern der ärztlichen Ausbildung: Anders als Pharmazeuten (Apotheker) können Ärzte nicht sicher zwischen Wirkung (Effekt) und Wirksamkeit (Effektivität) unterscheiden: PPIs sind zwar fast immer hochwirksam und blockieren die Magensäurebildung hocheffektiv. Für viele Patienten ist wichtig, ob ihre Beschwerden tatsächlich nachhaltig gelindert oder beseitigt werden, was als „Wirksamkeit“ bezeichnet wird. Die oft überzogene ärztliche Verordnung von PPI dürfte eher ein Beruhigungsmittel für Ärzte sein, anstatt einer sachgerechten, angemessenen Therapie für Patienten.

Der patientenorientierte Weg, Protonen-Pumpen-Inhibitoren jetzt auch ohne ärztliche Verordnung als Teil der individuellen Selbstmedikation in Apotheken anzubieten, könnte das Ziel einer bedarfsgerechten PPI-Anwendung schneller erreichen, als alle Aufklärung von Ärzten. Patienten nehmen nämlich selbstbezahlte wirksame Präparate nur solange ein, bis ihre Beschwerden gelindert oder verschwunden sind. Eine sinnlose Daueranwendung ohne medizinischen Nutzen kommt auf diese Weise nur selten zustande.

Autor
Quellen
  1. Smeets HM, de Wit NJ, Zuithoff NP, van Dijk PC, van der Lee AP, Hoes AW: A health insurance company-initiated multifaceted intervention for optimizing Acid-suppressing drug prescriptions in primary care: a randomized controlled trial. Arch Intern Med. 2010 Jul 26;170(14):1264-8 (DOI)
  2. Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungsreport 2009. Springer, Heidelberg, 2009.

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