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„Sodbrennen durch Übergewicht“: Wissenschaft auf niederträchtigem Stammtisch-Niveau

Arzneiverordnungs-Report

„Wo kriegten wir die Kinder her,
Wenn Meister Klapperstorch nicht wär?“
(aus Wilhelm Busch: Die Fromme Helene, 1872)
Aktuelle Wissenschaft am Deutschen Krebsforschungszentrum

Je übergewichtiger Menschen sind, umso häufiger leiden sie unter Sodbrennen, ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung bei 8.936 älteren Menschen aus dem Saarland [1], durchgeführt am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ). Die Forschergruppe untersuchte dabei weltweit erstmals auch die Auswirkungen einer Magenschleimhaut-Entzündung, bei der die säurebildenden Zellen des Magens verringert sind („chronisch-atrophische Gastritis“). Es zeigte sich, dass Menschen mit dieser Erkrankung nur selten an Sodbrennen leiden, selbst wenn sie übergewichtig sind. Der Kommentar von Sodbrennen-Welt.de beleuchtet die Wertigkeit dieser Publikation notwendigerweise kritischer als sonst (siehe unten).

Die Studie basierte auf einem ausführliche Fragebogen, der unter anderem typische Beschwerden der Refluxkrankheit in den letzten vier Wochen (zum Beispiel Sodbrennen) und für Sodbrennen typische Risiken abfragte (Ernährungsgewohnheiten, Zigarettenkonsum, Diabetes, Gewicht u. a.). Die von niedergelassenen Ärzten des Saarlandes erfassten Patienten waren zwischen 50 bis 75 Jahre alt. Allen wurde Blut abgenommen und auf die Gegenwart von Pepsinogen untersucht (die Vorstufe eines im Magen gebildeten Enzyms zur Eiweißverdauung). Ein geringer Pepsinogen-Serumgehalt wurde als diagnostisches Anzeichen für das Vorliegen der chronisch-obstruktiven Magenentzündung gedeutet.

Die statistischen Analysen der erhobenen Daten bestätigten eindeutig und hochsignifikant die Annahme, dass das Körpergewicht (Body Mass Index, BMI) wegen seiner Auswirkungen auf den Säure-Rückfluss positiv mit Refluxbeschwerden wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen assoziiert ist. Wenn hingegen eine Krankheit wie die chronisch-obstruktive Gastritis die Säurebildung stark verringert, ist Übergewicht nur in geringem Maß mit Sodbrennen assoziiert. Dieses ist ein starker Hinweis, so die Autoren der Studie, dass Säure-Rückfluss für Refluxbeschwerden wesentlich ist.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Bei epidemiologischen Studien wird mathematisch geprüft, ob ein statistischer Zusammenhang zwischen einem Ereignis A und einem Ereignis B besteht, die sogenannte Korrelation. Wenn viele Forscher diesen – statistischen – Zusammenhang immer wieder zeigen, entwickelt sich allmählich bei vielen Forschern und/oder Ärzten die Vorstellung, beide Ereignisse könnten ursächlich zusammenhängen (selbst wenn dafür niemals irgendwelche Beweise erbracht worden sind), die sogenannte Kausalität. Ein besonders erfrischendes Beispiel der Verwechselung von Korrelation und Kausalität ist das Storch-Phänomen: Es „belegt eindeutig“, dass der Rückgang der Storchenpopulation mit einem Rückgang der Geburtenrate korreliert (70er Jahre, Niedersachsen), oder die Zunahme der Störche mit einer Zunahme der Hausgeburten assoziiert ist (aktuell, Berlin-Brandenburg [2]).

Was jedoch bei Störchen vs. Kindsgeburten humoristisch wirkt, ist bei der vorgelegten Studie gegenüber Millionen übergewichtiger Refluxpatienten niederträchtig. Ohne jeden wissenschaftlichen Beweis, nur aufgrund von allgegenwärtigen Vorurteilen, wird eine politisch opportune Dicken-Beschimpfung zelebriert, vermutlich um weitere Forschungsgelder aus Steuermitteln abzugreifen. Dies ist „erwartungsgesteuerte Wissenschaft“ pur, die – wie meistens – die Wirklichkeit von Kranken und ihr tägliches Leiden völlig ignoriert.
Hierzu nur einige Hinweise:

  • Die von den Autoren mit stolz geschwellter Brust berichtete „erstmalige Untersuchung der chronisch-atrophischen Gastritis“ bei der Beschreibung des Zusammenhangs von Übergewicht und Refluxbeschwerden erscheint mehr als lächerlich. Denn: Jedes wirksame Antazidum (z. B. Maaloxan®) oder jeder Säureblocker aus der Familie der Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI, z. B. Omeloxan®) belegt tagtäglich eindrucksvoll, dass die im Magen gebildete Säure entscheidend für die Beschwerden der Sodbrennen-Betroffenen ist. Und zwar einfach dadurch, dass diese Medikamente die Menge der vom Magen gebildeten Säure, die in die Speiseröhre zurückfließen kann, verringern und damit letztlich auch die Schmerzen der Kranken lindern oder beseitigen.
  • Die falsche oder noch schlimmer völlig fehlende Differenzierung von Auslöser und Ursache ist bei biomedizinischen Wissenschaftlern weitverbreitet. Hier ist nur festzustellen: Magensäure kann bestenfalls Auslöser von Sodbrennen und anderen Beschwerden sein. Sie ist aber nicht die Ursache der, den Beschwerden zugrundeliegenden Refluxkrankheit. Zu deren Ursachen gibt es bislang nur sehr bunt durcheinander gewürfelte, meist sehr unterschiedliche Theorien, von denen keine den betroffenen Patienten bislang zu irgendeinem praktischen Nutzen gereicht hat.
  • Der von den Autoren verwendete Parameter zur Feststellung von Übergewicht – der Body Mass Index (BMI) – ist vollständig veraltet und seit langem hinsichtlich jeder medizinischen Fragestellung überholt. Jeder Fitness-Trainer im „Studio“ um die Ecke weiß mehr hierüber...
  • Die zentrale Annahme, warum Übergewicht den Säure-Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre erhöhen soll, ist die „Druckerhöhung im Bauchraum“ . Keine Frage: Die intraabdominelle Hypertension existiert, vor allem in akuter, nicht selten lebensbedrohender Form als chirurgischer Notfall, nachzulesen in jedem besseren chirurgischen Lehrbuch [3]. Doch bei Übergewichtigen existiert sie bestenfalls nur bei extrem, krankhaft Übergewichtigen („morbide Adipositas“) [4], die in der vorgelegten Arbeit aber gar nicht untersucht worden sind.
  • Und noch schlimmer: Mechanistische Simpelbilder vom menschlichen Körper sollten in der modernen evidenzbasierten, ganzheitlichen Medizin keine Rolle mehr spielen! Beispiel einer medizinischen Simplifizierung: Nur weil ein wenig Druck auf den Magen ausgeübt wird (was aber bei „normalem“ Übergewicht nicht der Fall ist), so unterstellt die besprochene wissenschaftliche Veröffentlichung, würde gleich saurer Mageninhalt vermehrt in die Speiseröhre zurückfließen. Falsch, die biologische Wirklichkeit und ihre experimentell-wissenschaftliche Untersuchung zeigt uns hierzu etwas ganz anderes: Der untere Speiseröhren-Schließmuskel hält die Speiseröhre sehr kräftig zu, auf jeden Fall auch gegen den Druck z. B. eines aufgeblähten Magens. Erst wenn der Schließmuskel – aus welchen Gründen auch immer – öffnet, kann mal Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen [5]. Der häufigste Grund ist übrigens der Weitertransport von Speisen in den Magen...

Die „Benotung“ der vorgestellten Publikation bleibt den Leserinnen und Lesern selbst vorbehalten. Das Resümee aus Patientensicht ist jedoch katastrophal – nicht zuletzt, weil wieder einmal übergewichtige Menschen zum Mittel akademischer Selbstverwirklichung missbraucht werden.

Thema Forschungsförderung: Die Resultate einer epidemiologischen Großstudie wie im Saarland in dünnste Salami-Scheiben zu schneiden und dann einzeln zu veröffentlichen, ist zwar immer noch Praxis am Deutschen Krebsforschungszentrum und anderen Forschungseinrichtungen. Doch schon 1989 kritisierte der langjährige Herausgeber des wichtigsten Wissenschaftsmagazins der Welt, Nature, John Maddox, diese unangenehme und oft peinliche Salami-Taktik – sie diene, wenn überhaupt jemandem, nur der wissenschaftlichen Karriere der Autoren.

Autor
Quellen
  1. Gao L, Weck MN, Rothenbacher D, Brenner H: Body mass index, chronic atrophic gastritis and heartburn: a population-based study among 8936 older adults from Germany. Aliment Pharmacol Ther. 2010 Jul;32(2):296-302 (Medline).
  2. Höfer T, Przyrembel H, Verleger S: New evidence for the theory of the stork. Paediatr Perinat Epidemiol. 2004 Jan;18(1):88-92 (Medline).
  3. Jauch KW, Mutschler W, Wichmann M: Chirurgie Basisweiterbildung: In 99 Schritten durch den Common Trunk. Springer-Verlag, Heidelberg, 2007.

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