Säureblocker (PPI) wirken bei Übergewichtigen uneingeschränkt
Erhöhte Säurebelastung der Speiseröhre führt zu Sodbrennen und entzündeter, geröteter Schleimhaut des Organs. |
Übergewicht und Sodbrennen hängen zusammen. Dies konnte eine beim weltgrößten Fachkongress von Magen-Darm-Spezialisten (Digestive Disease Week 2010, New Orleans/USA) vorgestellte Studie mit über 1.000 Refluxpatienten belegen. Zwar konnte mit der Untersuchung nur der statistische Zusammenhang „Übergewichtige haben häufiger eine säurebelastete Speiseröhre als Normalgewichtige“ belegt werden, ohne sichere Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zu liefern (zum Beispiel: „Übergewicht führt zu Sodbrennen“ oder „Sodbrennen führt zu Übergewicht“). Doch immerhin konnte belegt werden, dass Säureblocker aus der Familie der Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI, z. B. Omeloxan®) bei Übergewichtigen ebenso gut die Säurebelastung der Speiseröhre normalisieren wie bei Normalgewichtigen [1]. Dies widerlegt immer wieder zu hörende Behauptungen, PPIs wirken bei übergewichtigen Sodbrennen-Patienten nicht, weil diese Refluxkranken übergewichtig seien [2].
Die von Forschern der Mayo-Klinik in Scottsdale, Arizona/USA, durchgeführte Studie mit 1.002 Patienten sollte klären, ob und wie sich Übergewicht auf den therapeutisch erwünschten Effekt von PPI-Säureblockern auswirkt, nämlich die Säurebelastung der Speiseröhre von Reflux-Patienten zu verringern. Die Patienten erhielten entweder eine PPI-Therapie (n=339) oder keine Säure blockierende Behandlung (n=663). Bei allen Patienten wurde über 48 Stunden die Säurebelastung in der Speiseröhre mittels drahtloser Kapsel-pH-Metrie gemessen (Hightech: pH-Messung in der Speiseröhre ohne Kabel und Katheter). Die Patienten wurden entsprechend der Übergewichts-Klassifikation der Weltgesundheitsbehörde WHO jeweils einer Gewichtsklasse zugeordnet (Normalgewicht – n=347, Übergewicht – n=357, Adipositas Klasse I – n=175, Klasse II – n=85, Klasse III – n=49).
Die „Bravo-Kapsel“ liefert über Tage hinweg Informationen aus der Speiseröhre zur örtlichen Säurebelastung. |
| Klassifikation (Erwachsene) | BMI - Body Mass Index (kg/m2) |
|---|---|
| Normalgewicht | 18,50 - 24,99 |
| Übergewicht | ≥ 25,00 |
| beginnende Adipositas | 25,00 - 29,99 |
| Adipositas | ≥ 30,00 |
| Klasse I | 30,00 - 34,99 |
| Klasse II | 35,00 - 39,99 |
| Klasse III | ≥ 40,00 |
| angepasst nach WHO 1995, WHO 2000 und WHO 2004 | |
Es zeigte sich: Der Anteil der Refluxpatienten mit unnormal erhöhter Speiseröhre-Säurebelastungszeit (AET – total acid exposure time, Gesamtzeit der Säurebelastung > 5,3%) betrug bei den Adipösen je nach Klasse zwischen 54% und 61%, bei den übergewichtigen Probanden 51% und bei den Normalgewichtigen 32%. Die Körperlage bei der pH-Registrierung (aufrechte oder liegende Haltung) spielte keine Rolle für die Ergebnisse.
In der unbehandelten Patientengruppe war die Speiseröhre-Säurebelastungszeit bei übergewichtigen bzw. adipösen Patienten hochsignifikant länger als bei Normalgewichtigen (P=0,002), wobei die AET nur in geringem Umfang mit dem BMI anstieg. Bei Patienten, die PPIs verwendeten, gab es hingegen keinerlei signifikante Assoziation zwischen AET und BMI. PPIs reduzieren also bei Übergewichtigen und Adipösen hochwirksam die Säurebelastung der Speiseröhre. Die ösophageale Säureexposition war in allen Gruppen während der Wachphasen am höchsten und – ohne PPIs – bei aufrechter Körperhaltung. Auch der DeMeester-Vergleichswert für die pH-metrisch bestimmte Säurebelastung der Speiseröhre war bei übergewichtigen und adipösen Reflux-Patienten ohne PPI-Behandlung signifikant höher als bei Normalgewichtigen (P=0,003). Unter Behandlung mit den Säureblockern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
Das Resümee der Autoren lautet: Die Säurebelastungszeit in der Speiseröhre (AET) ist um so länger, je höher das Körpergewicht (BMI) der Refluxpatienten ist – solange diese keine PPIs einnehmen. Bei Behandlung mit PPIs gibt es hingegen keinerlei Unterschiede in den verschiedenen Gewichtsklassen. Die Studie konnte – wie schon andere Untersuchungen zuvor – bestätigten, dass Übergewicht und Adipositas mit erhöhter ösophagealer Säureexposition assoziiert ist. Und es zeigte sich, dass Übergewicht und Adipositas die hohe Wirksamkeit von PPIs nicht verringert.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Übergewicht schränkt die Wirksamkeit von Säureblockern nicht ein. Das ist die gute Nachricht für Betroffene. In Kombination mit der Botschaft, dass Gewichtsreduktion die Beschwerden der Refluxkrankheit verringert, wird ein Schuh draus. Doch eine nachhaltig wirksame Gewichtsreduktion dürften viele übergewichtige Refluxpatienten leider nicht angehen – zu einfach ist die Einnahme hochwirksamer Säureblocker... Für Ärzte sind die Studienergebnisse nachteilig, weil sie übergewichtigen Refluxpatienten, bei denen eine PPI-Therapie nicht anschlägt, nun kein schlechtes Gewissen mehr einreden können („nehmen Sie doch erstmal ab ...“). Die von vielen Experten kritisierte ärztliche Massenausgabe der „Hostie PPI“ an alle Patienten hat eben mit individualisierter Diagnostik und Therapie nichts zu tun ...
- Rainer H. Bubenzer - Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Oktober 2010.
- Crowell MD, Lacy BE, DiBaise JK, Sharma VK: Obesity does not reduce the efficacy of proton pump inhibitors for mediating esophageal acid exposure in patients with reflux symptoms (Vortrag 936 bei Digestive Disease Week (DDW), New Orleans, 1.-6. Mai 2010). Gastroenterology Vol. 138, Issue 5, Supplement 1, Page S-135 (Kurzfassung).
- Jacobson BC: Body Mass Index and the Efficacy of Acid-Mediating Agents for GERD. Dig Dis Sci. 2008 Sep;53(9):2313-7 (Kurzfassung).
- Mit freundlicher Genehmigung Given Imaging Ltd, Yokneam, Israel – 2011.

