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        +++         Rätselraten: Unerklärliche Über-Therapie mit Säureblockern.         +++         Schwangeren-Sodbrennen: Behandlung oft problematisch.         +++         Antazida gegen Sodbrennen älterer Flugreisender.

Korrosionsschutz Zink – gut bei Sodbrennen?

Zinkblende / Sphalerit

Sphalerit (Zinkblende) – wichtige Zinkquelle

Die Überproduktion von Säure und die assoziierten Erkrankungen, die mit dieser Hypersekretion verknüpft sind, betreffen 25-35 Prozent aller Menschen in den USA, auf die gesamte Lebenszeit bezogen", heißt es einleitend in einer Publikation von Schweizer Forschern in einer renommierten Fachzeitschrift Anfang 2011 [1]. Hauptautor, Philipp Kirchhoff, Oberarzt am Universitätsspital Basel, und Koautoren scheinen mit dieser Beschreibung wohl die Refluxkrankheit zu meinen. Und weiter: Nach Untersuchungen der Baseler Gruppe aus Chirurgen und Gastroenterologen hätten bestimmte Zinksalze die Fähigkeit gezeigt, die Überproduktion von Magensäure – angeblich nebenwirkungsarm – zu blockieren und damit einen wichtigen Etappensieg gegen die Refluxkrankheit zu ermöglichen [1].

Der Forschergruppe soll es nach Meldung der Baseler Uni also gelungen sein, mit Zinksalzen einen „neuen“ Therapieansatz gegen Sodbrennen gefunden zu haben. Die Befunde basieren auf experimentellen Studien an tierischen und menschlichen Magenzellen sowie an Ratten. Bei einer Überprüfung an 12 Freiwilligen erhöhte die Gabe von Zink schnell und über 3 Stunden anhaltend den pH-Wert des Magens. Bei den Versuchen an isolierten Magenzellen und im Rattenversuch wurde Zinkchlorid, im Freiwilligenversuch Zinksulfat verwendet.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Sodbrennen-Welt.de fordert immer wieder, die Volkskrankheit „chronischer Reflux“ mit ihren Beschwerden wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen, endlich intensiver zu erforschen. Vor allem, um über das Verständnis der Erkrankung zu einer nachhaltig wirksamen, nebenwirkungsarmen Linderung der Beschwerden oder - noch besser - zu einer Heilung der Erkrankung selbst zu gelangen.
Was die Baseler Fachmediziner jedoch bereits als Einleitung abliefern, zeigt ihr völliges Unverständnis moderner Refluxforschung: Die chronische Refluxkrankheit ist in den allerseltensten Fällen durch eine Überproduktion von Magensäure verursacht („Hypersekretion“). Diese Situation kommt somit auch nicht bei 25-35 Prozent der US-Amerikaner vor! Diese haben vielmehr, in der genannten Häufigkeit, eine chronische Refluxkrankheit mit Sodbrennen und anderen belastenden Beschwerden, mehrmals die Woche. Ursache von Reflux und Sodbrennen ist jedoch eine Funktionsstörung der Speiseröhre, die letztlich zu einem verlängerten, Beschwerden auslösenden Kontakt von Mageninhalt mit der Speiseröhren-Schleimhaut führt. Und eben nicht Hypersekretion von Säure!
Aber es kommt noch ärger: Dass Zink die Fähigkeit hat, die Säuresekretion im Magen zu hemmen (bzw. die Freisetzung des Gewebshormon Gastrin zu erhöhen), die Durchblutung der Magenschleimhaut zu steigern, Entzündungsprozesse zu normalisieren oder letztlich die Heilung von Magengeschwüren zu beschleunigen [2], ist ein alter Hut (jeder Hautarzt weiß von der geschwürsheilenden Wirkung von Zink) [3]. Eine Verbindung mit ähnlicher, aber wissenschaftlich gut belegter ulcusheilender Wirkung ist das Antazdium Aluminium-Magnesium-Hydroxid (enthalten in Maaloxany®, → Antazida aus Aluminium-Magnesiumhydroxid: Erste Wahl der WHO). Die Fähigkeiten von Zinksalzen haben jedoch nie zu einem wirksamen Antireflux- oder Antisodbrennen-Mittel ausgereicht. Und schon gar nicht in Hinsicht auf die Blockade der Säurefreisetzung, die optimal von der Wirkstoffgruppe der Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI, zum Beispiel Omeloxan®) beherrscht wird.
Das Versagen der Säureblocker bei einigen Refluxpatienten ist prinzipbedingt und hängt mit der Natur der Refluxkrankheit selbst zusammen. Zinksalze werden dies in keinster Weise ändern, da sie ebenfalls nicht die grundlegenden Mechanismen der Krankheit heilsam verändern (können). Sodbrennen wird eben nicht durch ein Zuviel an Säure verursacht. Säureblockade, wie auch immer bewirkt, bleibt somit immer nur eine symptomatische, aber keine kausale Behandlung.

Autor
Literatur
  1. Kirchhoff P, Socrates T, Sidani S, Duffy A, Breidthardt T, Grob C, Viehl CT, Beglinger C, Oertli D, Geibel JP: Zinc salts provide a novel, prolonged and rapid inhibition of gastric acid secretion. Am J Gastroenterol. 2011 Jan;106(1):62-70 (Medline).
  2. Opoka W, Adamek D, Plonka M, Reczynski W, Bas B, Drozdowicz D, Jagielski P, Sliwowski Z, Adamski P, Brzozowski T: Importance of luminal and mucosal zinc in the mechanism of experimental gastric ulcer healing. J Physiol Pharmacol. 2010 Oct;61(5):581-91 (Medline).
  3. Escolar G, Bulbena O: Zinc compounds, a new treatment in peptic ulcer.Drugs Exp Clin Res. 1989;15(2):83-9 (Medline).

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