Neues Screening-Verfahren bei Veränderungen der Speiseröhren-Schleimhaut (Barrett).
Hahn und Hühner schlucken munter |
Obwohl Speiseröhrenkrebs („Ösophagus-Karzinom“) selten ist, wünschen sich Magen-Darm-Ärzte bessere Möglichkeiten, gutartige Vorstufen dieser Krebsart früher erkennen zu können. Bei einer Speiseröhren-Spiegelung („Ösophagus-Endoskopie“) sind die betreffenden Veränderungen der Speiseröhren-Schleimhaut gut zu erkennen – die sogenannte Barrett-Schleimhaut (als Ganzes auch „Barrett-Ösophagus“ genannt). Patienten mit bekanntem Barrett-Ösophagus sollten regelmäßig gespiegelt werden (einschließlich Entnahme von Gewebeproben), um Vorstufen oder Frühformen von Krebs rechtzeitig zu erkennen. Wünschenswert wäre jedoch eine Zellentnahme zur Vorsorge oder Früherkennung als Reihenuntersuchung bei größeren Menschengruppen („Screening“). Die Speiseröhren-Spiegelung ist dafür jedoch zu aufwändig, zu riskant und zu teuer. Bei dem diesjährigen Fachkongress „United European Gastroenterology Week (UEGW)“ in Stockholm (Schweden) wurde eine neue Methode vorgestellt, mit dem das Barrett-Screening zukünftig erleichtert werden könnte – die „trans-orale Schwamm-Zytologie“ [1].
Die transorale Schwamm-Zytologie („trans-oral sponge cytology“) ist ein neues Verfahren, bei der ein kleiner, an einer Schnur befestigter kleiner Polyurethan-Schwamm in einer Gelatinekapsel geschluckt wird – der sogenannte „Zytoschwamm“. Die Schnur ist gerade so lang, dass der Schwamm im unteren Bereich der Speiseröhre landet. Also dort, wo die Barrett-typischen Schleimhautveränderungen am häufigsten vorkommen. Wenige Augenblicke nach dem Herunterschlucken löst sich die Gelatinekapsel auf und der Schwamm entfaltet sich (etwa 3 Zentimeter Durchmesser). Wie bei einem Schleimhaut-Abstrich in Nase, Rachen oder Darm bleiben Schleimhautzellen an dem Schwamm hängen, wenn er nach 3-5 Minuten wieder herausgezogen wird. Die so gesammelten Zellproben werden anschließend im Labor untersucht. Vor allem wird ein spezielles Eiweiß nachgewiesen, das bei Barrett-Ösophagus vermehrt in den Schleimhautzellen vorkommt und auch zur Früherkennung von Speiseröhrenkrebs taugt („trefoil factor 3“). Machbarkeitsstudien bei einigen hundert Menschen zeigen, dass fast alle Probanden die Schwammkapsel problemlos und ohne Nebenwirkungen schlucken konnten. Und dass mit hoher Genauigkeit das Vorhandensein von Barrett-Schleimhaut nachweisbar ist [2].
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Im Vergleich zu anderen Verfahren ist die Zytoschwamm-Methode einfach und risikolos durchführbar und äußerst kostengünstig [3]. Für Menschen mit erhöhtem Barrett-Risiko (weiße Hautfarbe, höheres Lebensalter, Übergewicht, langjährige Refluxkrankheit) ist sicher ein einfaches Screening-Verfahren wünschenswert. Ob dem Verfahren aber möglicherweise ein ähnliches Schicksal droht wie vielen Vorsorge-/Früherkennungs-Verfahren, werden die nächsten Jahre zeigen. Fast alle diese Verfahren, ob medizinisch anerkannt, von den Kassen bezahlt oder nicht, führen zu einer drastischen Überversorgung im „diagnostischen“ und „therapeutischen“ Bereich. Und zwar häufig ohne erkennbaren Nutzen für die Untersuchten. Dieses Dilemma ist umso ausgeprägter, je seltener die gesuchte Erkrankung ist – und dies ist glücklicherweise beim Speiseröhrenkarzinom der Fall.
- Rainer H. Bubenzer – Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, Oktober 2011.
- United European Gastroenterology Week (UEGW). Stockholm/Schweden, 22.-26.10.2011 (uegw11.uegf.org).
- Kadri SR, Lao-Sirieix P, O'Donovan M, Debiram I, Das M, Blazeby JM, Emery J, Boussioutas A, Morris H, Walter FM, Pharoah P, Hardwick RH, Fitzgerald RC: Acceptability and accuracy of a non-endoscopic screening test for Barrett's oesophagus in primary care: cohort study. BMJ. 2010 Sep 10;341:c4372 (Kurzfassung).
- Triadifilopoulos G: Cytosponge for Barrett's esophagus screening: when smart science matches simplicity. Gastroenterology. 2011 Aug;141(2):766-8; discussion 768 (Kurzfassung).

