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Trotz Arzneimittel-Flop neue Einsichten:
Reflux ist eine Funktionsstörung.

Sodbrennen

Es war einer der vielen Flops, die die Forschung von Pharmaunternehmen und Universitäten auf ihrer Suche nach wirksameren Medikamenten regelmäßig produzieren: ADX10059, entwickelt von dem Schweizer Biopharmazie-Unternehmen Addex Pharmaceuticals. Das Präparat sollte der Renner bei der Behandlung von refluxbedingten Beschwerden wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen werden, sich aber auch zur Vorbeugung von Migräneanfällen eignen. Studienergebnisse zeigten dann jedoch unvertretbar starke Leber-Nebenwirkungen. 2009 wurde die Entwicklung schließlich gestoppt [1]. Entgangen war der Gemeinde der Magen-Darm-Experten jedoch, dass die wissenschaftlich gut belegbaren Wirkung des Wirkstoffes die herkömmlichen Theorien zur Entstehung der Refluxkrankheit auf den Kopf stellte [2]. Demzufolge sind Reflux und Sodbrennen nicht Folgen zum Beispiel eines mechanischen Defektes (→ Hiatus-Hernie) oder von zuviel gebildeter Magensäure. Sondern es sind Folgen einer ursächlichen Funktionsstörung des unteren Speiseröhren-Schließmuskels am Übergang von Speiseröhre zu Magen.

Die experimentelle Substanz verringert selektiv die Aktivierung spezieller Zellrezeptoren, die auf die Nervensignalsubstanz Glutamat reagieren („metabotroper Glutamatrezeptor 5“). Die Überstimulation durch diesen Neurotransmitter wird als ein krankmachender Mechanismus sowohl bei der Refluxkrankheit wie auch bei der Migräne eingeschätzt. Frühe Studien, aber auch gerade veröffentlichte, ausführlichere Phase-II-Untersuchungen zeigten die klare Wirksamkeit von ADX10059 bei Refluxpatienten, auch als Einzeltherapie ohne andere zusätzliche Medikamente [3, 4]. Allerdings: In Studien bei Migränepatienten kam es zu Leberproblemen, die den Wirkstoff ungeeignet vor allem für die Langzeitanwendung erscheinen lassen.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Millionen von Sodbrennen-Patienten, bei denen weder der schnelle ärztliche Griff zum Rezeptblock, noch der Apotheker-Griff zum gewinnträchtigsten „Magenmittel“, nachhaltig wirksam sind, hätten Ärzte und Wissenschaft schon lange herausfordern können, nach wirksamen Alternativen zu suchen. Die allmählich wachsende Einsicht, dass die Speiseröhre nicht einfach nur eine Art starres Abflussrohr von Nahrung in den Bauch ist, ist erfreulich. Es dürfte jedoch noch lange bis zur allgemeinen Einsicht dauern, dass die Refluxkrankheit ein dynamisches Krankheits-Geschehen ist, welches das hochkomplexe Organ Speiseröhre in ihrer Funktionalität stört und so die Betroffen – oft enorm – leiden lässt. Wann und ob überhaupt therapeutische Konsequenzen aus solchen Einsichten folgen, steht in den Sternen.

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Literatur
  1. Pressemitteilung Addex Pharmaceuticals: Development of ADX10059 Ended for Long-term Use. Genf, 15.12.2009.
  2. Bubenzer RH: Protonenpumpeninhibitoren bei jedem zweiten Sodbrennen-Patienten unwirksam - Paradigmenwechsel bei AstraZeneca? Sodbrennen-Welt.de, Dezember 2008.
  3. Keywood C, Wakefield M, Tack J: A proof-of-concept study evaluating the effect of ADX10059, a metabotropic glutamate receptor-5 negative allosteric modulator, on acid exposure and symptoms in gastro-oesophageal reflux disease. Gut. 2009 Sep;58(9):1192-9.
  4. Zerbib F, Bruley des Varannes S, Roman S, Tutuian R, Galmiche JP, Mion F, Tack J, Malfertheiner P, Keywood C: Randomised clinical trial: effects of monotherapy with ADX10059, a mGluR5 inhibitor, on symptoms and reflux events in patients with gastro-oesophageal reflux disease. Aliment Pharmacol Ther. 2011 Apr;33(8):911-21 (Kurzfassung).

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