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Medikamentöse Krebstherapie: Vorsicht bei Einnahme weiterer Arzneimittel.

Mann mit Sodbrennen

Wichtig bei Krebs: Beratung, Kommunikation, Qualifikation.

Häufig verordnete Medikamente - zum Beispiel gegen Refluxbeschwerden -, können moderne Krebsmittel erheblich in der Wirkung beeinträchtigen oder ihre Nebenwirkungen verstärken, haben jetzt US-Forscher anhand der Verordnungsdaten von 11.600 Krebspatienten herausgefunden, die moderne orale Antikrebsmedikamente einnahmen [1]. Die Hauptprobleme sind jedoch nicht die Wechselwirkungen selbst – die könnten durch eine intelligentere Auswahl der verwendeten Arzneimittel reduziert werden. Die Hauptprobleme bestehen vielmehr aus der fehlenden Kommunikation der behandelnden Ärzte untereinander. So verordnen zwar fachlich hoch qualifizierte Krebsärzte (Onkologen) die jeweiligen Krebsmittel. Die Haus- und Allgemeinärzte, die dann zum Beispiel die (Langzeit)-Nachsorge übernehmen, berücksichtigen diese Medikation bei ihrer Arzneimitteltherapie dann aber nur selten. Probleme sind damit vorprogrammiert. Wie häufig Wechselwirkungen sein können, zeigte sich bei dem neuen Krebsmittel Pazopanib (Votrient®), das bei Nierenzellkarzinom hochwirksam ist: Drei von vier Patienten hatten zusätzlich Medikamente verordnet bekommen, die die Schädlichkeit (Toxizität) des Krebsmittels erhöhten.

Moderne Krebstherapeutika, die relativ spezifisch bestimmte, für ein Krebswachstum bedeutende Enzyme blockieren können, haben aus einigen bislang rasch tödlichen Krebsarten chronische Krankheiten gemacht. Das derzeit wichtigste Beispiel ist die Wirkstoffgruppe der Tyrosinkase-Inhibitoren (Substanzen: Imatinib, Sorafenib, Sunitinib, Erlotinib und andere; → Wikipedia Tyrosinkinase-Inhibitoren). Weitere Vorteile dieser Wirkstoffe: Sie können meist als Tablette eingenommen werden und haben deutlich weniger Nebenwirkungen als zum Beispiel eine Standard-Chemotherapie oder Strahlenbehandlung. Dafür müssen sie jedoch dauerhaft eingenommen werden.

Im Rahmen der US-Studie wurden neun Tyrosinkinasehemmer und ihr Wechselwirkungs-Potential untersucht, unter anderem Imatinib (Glivec®), Nilotinib (Tasigna®), Sunitinib (Sutent®), Sorafenib (Nexavar®), Erlotinib (Tarceva®), Dasatinib (Sprycel®), Lapatinib (Tyverb®) oder Pazopanib (Votrient®). Häufigkeit und Art der Wechselwirkungen unterscheiden sich bei den jeweiligen Tyrosinkinaseinhibitoren.

Medikamente, die unerwünschte Arzneimittel-Wechselwirkungen verursachen, gehörten besonders häufig in die Gruppe der Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI, gegen Refluxbeschwerden wie Sodbrennen), Kalzium-Kanalblocker (Herzkreislaufmittel) sowie verschieden Antibiotika und Antipilzmittel. Wie oben erwähnt, nahmen Patienten, die Pazopanib verwendeten, am häufigsten zusätzliche Mittel ein, die die Toxizität erhöhten (74%). Krebspatienten unter Erlotinib-Dauermedikation bekamen hingegen häufig eine Komedikation verordnet, die die Wirksamkeit der Krebstherapie reduzieren kann (57%). Die Komedikation unter dem Tyrosinkinasehemmer Sunitinib schließlich hatte am seltensten das Potential von verringerter Wirksamkeit (23%) oder erhöhter Toxizität (24%).

Die von den behandelnden Ärzten gegen Sodbrennen und Säurereflux verordneten Protonen-Pumpen-Blocker (PPIs) haben besonders bei der Leitsubstanz der Tyrosinkinasehemmer, Imatinib, ein besonders hohes Potential, die Wirksamkeit und die Toxizität des Krebsmittels negativ zu beeinflussen. Bei dem gegen Lungenkrebs eingesetzten Erlotinib gefährden hingegen vor allem Steroide und PPIs die Wirksamkeit, während bestimmte Antibiotika die Toxizität erhöhen. Zum Erstaunen der Forscher konnte in den Verschreibungsunterlagen der mit Erlotinib behandelten Krebspatienten häufig eine Komedikation mit dem Antibiotikum Ciprofloxacin gefunden werden, dessen Gefährlichkeit sogar in den Fachinformationen des Krebsmittels aufgelistet ist. Die Länge einer, die Krebstherapie gefährdenden Komedikation war im übrigen erheblich: Das riskante Verordnungsverhalten betraf meist nicht nur wenige Tage. Vielmehr wurden während 30-40% der gesamten Einnahmeperiode von Tyrosinkinase-Inhibitoren gleichzeitig therapiegefährende zusätzliche Mittel verordnet.

Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Dass ein Viertel bis drei Viertel aller Krebspatienten, die moderne, hochwirksame und extrem teure Tyrosinkinasehemmer einnehmen, zusätzlich Arzneimittel verordnet bekommen, die den Therapieerfolg infrage stellen, ist – wenigstens aus Patientensicht – eine Katastrophe. Wieder einmal zeigt sich, dass reflexartiges Verordnungsverhalten ohne Hinzunahme von qualifziertem Expertenwissen, zu fatalen Folgen für Patienten führen kann. Klar, alle freuen sich, dass zum Beispiel mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib so beeindruckende Therapieerfolge möglich zu sein scheinen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, wie hochwirksam diese Mittel sind, und wie häufig es eben dann doch zu Nebenwirkungen kommt. Bei Imatinib beispielsweise oft auch zu Sodbrennen, saurem Aufstoßen oder Magenschmerzen. Hier dann einfach Protonen-Pumpen-Inhibitoren zu verordnen, die ohnehin für viele Ärzte zum modernen Allheilmittel geworden sind, ist verfehlt (→ Ärztlicher Reflux-Reflex: PPI-Verordnung.). Am unverantwortlichsten ist dieses abstruse Verordnungsverhalten, weil diese Probleme bekannt und für jeden nachvollziehbar in der wissenschaftlichen Literatur publiziert sind [2]. Dass aluminium-magnesiumhydroxidhaltige Antazida (z. B. Maaloxan®) weder die Aufnahme von Tyrosinkinasehemmer in den Körper noch den Abbau oder die Ausscheidung dieser Krebsmittel beeinträchtigen, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt [3].

Autor
  • Rainer H. Bubenzer – Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, März 2012.
  • Bowlin S (Medco Research Institute, Franklin Lakes, NJ): 12-Month Rates of Potential Drug Metabolizing and Transporter Based Drug-Drug Interactions with Enzyme-Targeted Oral Neoplastic Drugs. Clin Pharmacol Ther 91: S57-S58 (Kurzfassung).
    - Die Daten wurden beim „113th Annnnual Meeting of the American Society for Clinical Pharmacology and Therapeutics“ (ASCPT), 14.-17.3.2012, National Harbor/MD/USA, präsentiert.
  • Haouala A, Widmer N, Duchosal MA, Montemurro M, Buclin T, Decosterd LA: Drug interactions with the tyrosine kinase inhibitors imatinib, dasatinib, and nilotinib. Blood. 2011 Feb 24;117(8):e75-87 (Kurzfassung).
  • Sparano BA, Egorin MJ, Parise RA, Walters J, Komazec KA, Redner RL, Beumer JH: Effect of antacid on imatinib absorption. Cancer Chemother Pharmacol. 2009 Feb;63(3):525-8 (Kurzfassung).
  • © Robert Kneschke - Fotolia.com.

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