Reflux-Reihenuntersuchung: Weiterhin eine Zukunftsphantasie.
Einfach-Fragebogen zur Diagnose einer oft lebenslänglichen, belastenden Erkrankung? |
Vielfach geprüfte, möglichst einfache Fragebögen sollen die Reihenuntersuchung zum Auffinden von Refluxpatienten (Screening) deutlich vereinfachen. Eines dieser Werkzeuge ist GerdQ („Gastroesophageal Reflux Disease Questionnaire“). Dieser Kurztest macht es Ärzten möglich, Patienten mit chronisch-verstärktem Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre zuverlässig und ohne lästige Spiegelung von Speiseröhre und Magen zu entdecken, so sagen seine Entwickler [1]. Doch eine prospektive Studie aus den USA zeigt jetzt, dass diese Hoffnung zwar attraktiv ist, aber von den Ergebnissen kabelloser Säuregradmessung in der Speiseröhre (kabellose Kapsel-pH-Metrie über 48 Stunden) um ein Vielfaches übertroffen wird [2].
Die Forschergruppe vom Dartmouth-Hitchcock Medical Center in Lebanon (New Hampshire/USA) verglich den GerdQ-Fragebogen mit einer Langzeit-pH-Messung mittels einer kabellosen pH-Metrie-Kapsel über 48 Stunden bei 358 Patienten mit Sodbrennen oder saurem Aufstoßen. Die Hälfte dieser Patienten nahmen Säure blockierende Medikamente (PPI) ein. Die demographischen Daten wie Alter oder Body-Mass-Index unterschieden sich nur unwesentlich zwischen beiden Gruppen (mittleres Alter: 50 ± 14 resp. 52 ± 14 Jahre; mittlerer BMI 28,1 ± 6,8 kg/m2 resp. 29,0 ± 6,9 kg/m2). Eine unnormale pH-Belastung wurde bei 26% der PPI-behandelten und 61% der unbehandelten Refluxpatienten festgestellt. Das Chancenverhältnis zwischen Säurebelastung und PPI-Verwendung war bei Patienten ohne PPI-Medikation etwa fünfmal höher als bei Patienten unter PPI-Einnahme. Der Mittelwert der GerdQ-Ergebnisse betrug bei Patienten unter PPI-Therapie 7,5, bei Patienten ohne PPI-Einnahme 9,1 (p<0,001). Bei diesem Test war die Wahrscheinlichkeit, bei der mit dem Testscore tatsächlich ein Reflux erfasst wurde, signifikant bei Patienten ohne PPI-Einnahme höher als unter PPI-Therapie. Der weitere Vergleich der Testergebnisse bzw. der Säurebelastungsmessreihen zeigte, dass der Fragebogen bei Weitem nicht so gute diagnostische Resultate zeigte wie die pH-Metrie. Und dass deshalb keine Empfehlung für GerdQ (und wahrscheinlich für ähnliche Fragebogen-Tests) als Screeninghilfe im ärztlichen Alltag ausgesprochen werden kann.
Kommentar Sodbrennen-Welt.de
Natürlich wäre es erfreulich, einen einfachen Fragebogen zu haben, mit dem eine Refluxkrankheit sicher diagnostiziert werden kann (→ Neuer Einfach-Fragebogen macht es möglich – Hochgenaue Erkennung der Refluxkrankheit). Doch leider – die Erkrankung ist viel zu komplex und individuell, als dass dies jemals möglich erscheint. Aber auch die pH-Metrie alleine, selbst in ihrer erfreulich belastungsarmen, kabellosen Form (→ Hightech: pH-Messung in der Speiseröhre ohne Kabel und Katheter) wird das von Gastroenterologen gewünschte Screening kaum möglich machen. Dazu ist der apparative Aufwand denn doch zu groß. Viel bedeutsamer aber: Bei vielen Refluxpatienten fällt ein pathologischer Säurerückfluss als Ursache ihrer Beschwerden aus (zum Beispiel bei vielen Patienten, die hochwirksame Säureblocker einnehmen und trotzdem Sodbrennen haben).
- Rainer H. Bubenzer – Gesundheitsberatung Top-Fit-Gesund, März 2012.
- Jones R, Junghard O, Dent J, Vakil N, Halling K, Wernersson B, Lind T: Development of the GerdQ, a tool for the diagnosis and management of gastro-oesophageal reflux disease in primary care. Aliment Pharmacol Ther. 2009 Nov 15;30(10):1030-8 (Kurzfassung).
- Lacy BE, Chehade R, Crowell MD: A prospective study to compare a symptom-based reflux disease questionnaire to 48-h wireless pH monitoring for the identification of gastroesophageal reflux (revised 2-26-11). Am J Gastroenterol. 2011 Sep;106(9):1604-11 (Kurzfassung).
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