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        +++         Rätselraten: Unerklärliche Über-Therapie mit Säureblockern.         +++         Schwangeren-Sodbrennen: Behandlung oft problematisch.         +++         Antazida gegen Sodbrennen älterer Flugreisender.

Von der Heilerde zum hoch wirksamen Medikament

Einleitung

Viele Millionen Menschen leiden gelegentlich, viele aber auch ständig an säurebedingten Störungen von Magen und Speiseröhre. Oftmals suchen diese Patienten zuerst eine Apotheke auf, um hier (Erste) Hilfe bei Ihren Beschwerden zu erfahren. Dies und die zunehmenden Veränderungen im Gesundheitswesen führen zu erhöhtem Beratungsbedarf in der Apotheke. Die vorliegende sechsteilige Folge über säurebedingte Beschwerden (z. B. Sodbrennen, saures Aufstoßen, Magenschmerzen) soll Ihnen helfen, Ihre Kunden individuell und angemessen zu beraten. Und zwar immer mit dem Ziel - entsprechend der alten hippokratischen Forderung nihil nocere! (bei der Behandlung nie Schaden anrichten!) - schnellst möglich zu helfen.

Antazida: Als Tonerde schon in der Vorzeit verwendet

Kaum ein Medikament, das von Menschen jemals verwendet wurde, ist so lange und so durchgehend in Gebrauch wie Säure neutralisierende Heilmittel (Antazida). Wahrscheinlich gehören antazide Substanzen zu den ältesten Heilmitteln überhaupt. Aus völkerkundlichen Untersuchungen wissen wir, dass sog. primitive Völker auch heute tonhaltige Heilerden, vor allem Silikate, bei bestimmten Erkrankungen konsumieren. Im griechisch-römischen Altertum war die Produktion von Säure bindenden Mineraliengemischen bereits hoch organisiert: An bestimmten Tonlagerstätten wurde die Heilerde abgebaut, gereinigt, gepresst, konfektioniert und verschifft. Der bis heute bekannte Name - Terra sigillata (Siegelerde) - erinnert daran, dass jede Charge der Tonerde vor Ihrem Versand einzeln gestempelt wurde. Die Güte der Ware unterschied sich je nach Herkunftsort. Neben den Tonerden kamen schon früh auch andere, im gleichen Sinne Säure hemmende Heilmittel, zum Einsatz, z. B. pulverisierte Koralle und Perlmutt oder gebranntes Hirschhornsalz. Die Anwendungsgebiete (Indikationen) der Siegelerde entsprechen zum großen Teil den heutigen Wirkvorstellungen, die im Wesentlichen durch die absorbierenden, entgiftenden und Säure neutralisierenden Effekte bestimmt werden. Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert, wurden die - damals noch Absorbentia genannten - Antazida entsprechend der Erfahrung eingesetzt, da weder die Magensäure noch der Krankheitsmechanismus säurebedingter Erkrankungen bekannt waren.

Erst im 19. Jahrhundert erlaubte die Erfindung der Magensonde erste Einblicke in den krankhaft veränderten Magen. Die Säurebestimmung des Mageninhalts bedeutete einen enormen Schub für die antazide Therapie. So legte z. B. der deutsche Internist H. Ziemssen Ende des vergangenen Jahrhunderts das Hauptgewicht auf die Behandlung mit Alkalien, also basische Substanzen. Denn er war der Ansicht, dass die hiermit mögliche Neutralisierung der Magensäure die erste und wichtigste Aufgabe der Therapie sei. Zur Behandlung setzte er besonders das Karlsbader Salz in natürlicher und künstlicher Form ein. Viele Heilmittel aus der Palette der damals gängigen antazid wirksamen Alkalien finden sich - in wechselnder Mischung - bei den meisten internistischen Autoren und Handbüchern der Inneren Medizin bis in die heutige Zeit hinein. Und zwar - bis vor einigen Jahren - fast ausnahmslos zur symptomatischen Anwendung, also der Säureneutralisation und damit zur Minderung des Sodbrennens und zur Stillung der Schmerzen. Erst in der letzten Vergangenheit wurde deutlich, dass Antazida neben ihrer symptomatischen Wirksamkeit, bedeutende Heilungseffekte haben, die über die alleinige Säureneutralisation hinaus gehen. Hiervon wird noch in den nächsten Folgen die Rede sein.

Übersicht 1:
Seit rund 2000 Jahren ist der Einsatz von antaziden Medikamenten belegbar
Dioskurides 1. Jh. n. Chr. geriebene Korallen, gebranntes Hirschhorn
Plinius der Ältere 24 - 79 n. Chr. Koralle, Korallenasche
Plinius der Jüngere 62 - 113 n. Chr. u. a. häufige Einnahme von alkalischen Erden
Celsus 30 v. - 25 n. Chr. u. a. leichte, nicht reizende Speisen
Galen 129 - 199 n. Chr. u. a. antazid wirksame terra Samia und Lemnische Siegelerde - letztere ist reich an Aluminiumsilikaten
Alexander von Tralles 525 - 605 u. a. Lemnische Siegelerde, Sternerde, Koralle sowie adstringierende Medikamente
Paulus von Aegina 625 - 690 antazide alkalische Erden, reizarme Diät
Avicenna 980 - 1037 Adstringentien, antazid wirksame Absorbentien u. a.
mittelalterliche Ärzte 9. - 15. Jahrhundert terra sigillata (je nach Herkunft Kaolin oder Aluminiumsilikat enthaltende Tonerden), Bolus armenicus (Tonerde), Alaun (Kalium- und Aluminiumsulfat)

Antazida im Konzert der anderen "Magenmittel"

Säurebedingte (peptische) Erkrankungen werden heute vorwiegend medikamentös behandelt. Andere, z. B. chirurgische oder diätetische Möglichkeiten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Wie erwähnt, stehen antazide Pharmaka seit Jahrhunderten an erster Stelle, da sie nicht nur hoch effektiv sondern auch sehr nebenwirkungsarm sind. Ein neueres Therapieprinzip ist die Säurehemmung, also die Unterdrückung der Säureausschüttung aus den Schleimhautzellen in den Magen bzw. der Produktion von Säure überhaupt. Dem ersten Ziel dienen die Säuresekretionshemmer ("H2-Blocker"), dem zweiten die Protonenpumpenhemmer. Beide Substanzgruppen führen zu einer effektiven, wenn auch oftmals übers Ziel hinaus schießenden Verminderung der Säuremenge im Magen. Damit verringern sich die schädigenden Einflüsse der Säure auf die Magenschleimhaut und besonders schwere peptische Erkrankungen können sicher behandelt werden. Durch ihre Anwendung bei den häufigen leichteren peptischen Läsionen wird dagegen oft mit "Kanonen auf Spatzen" geschossen. Dennoch: Säure sekretionshemmende Pharmaka haben die Häufigkeit schwerer Komplikationen - Magenblutung und Magendurchbruch - und damit die Notwendigkeit chirurgischer Notfalleingriffe wesentlich verringert. Weitere - eher untergeordnete - medikamentöse Therapeutika sind Mukosaprotektiva und Motilitätsregulatoren. Erstere versprechen, die empfindliche, geschädigte Magenschleimhaut (Mukosa) vor der Einwirkung von Säure zu schützen. Die Schutzschicht, die z. B. von Sucralfat über der geschädigten Schleimhaut gebildet wird, beschleunigt die Heilung der Schleimhautzellen darunter. In vielen Fällen sollen die peptischen Beschwerden aber auch durch Störungen der Magen- und Darmbewegungen (Motilität) hervorgerufen werden. Hierbei führen die Motilitätsregulatoren ("Prokinetika") zu einer beschleunigten Magenentleerung und damit zur Verminderung der Säurebelastung der Magenschleimhaut. Pflanzliche oder homöopathische Heilmittel werden bei peptischen Läsionen zwar vereinzelt eingesetzt. Da sie, wenn überhaupt, aber nur nach längerfristiger Anwendung Wirkungen zeigen, kommen sie bei der Behandlung akuter Magenbeschwerden nicht in Betracht.

Übersicht 2:
Anwendungsgebiete Al-haltiger Antazida

Therapeutische Sicherheit als Maßstab der Beratungspraxis

Entscheidend in der Beratungspraxis und der Empfehlung nicht rezeptpflichtiger Pharmaka ist die therapeutische Sicherheit. Diese wird bestimmt durch die dosisabhängige therapeutische Wirksamkeit sowie die unerwünschten Nebenwirkungen eines Medikamentes. Der beste Fall ist ein Arzneimittel, das sowohl bei hoher wie niedriger Dosis sehr wirksam und dabei immer nebenwirkungsarm ist ("großes therapeutisches Fenster"). Der schlechteste Fall ist bei vielen modernen Pharmaka zu beobachten: Eine Wirkung tritt nur ab einer bestimmten Dosierung auf, wird diese überschritten, machen Nebenwirkungen rasch den therapeutischen Effekt zunichte ("kleines therapeutisches Fenster").

Wie sehen nun die Verhältnisse bei der Gruppe der Antazida aus? Unabhängig von der therapeutischen Wirkung auf peptische Läsionen wird sofort deutlich, dass Antazida im Gegensatz zu den meisten anderen Magenmitteln nicht systemisch wirken, sondern lokal. Antazida müssen also vor Eintritt ihrer Wirkung nicht erst vom Organismus aufgenommen werden, wie z. B. die H2-Blocker. Antazida wirken, wie beispielsweise eine Hautcreme, unmittelbar am Ort des Geschehens - der geschädigten oder gereizten Magenmukosa. Allein dies verringert die potentiellen Nebenwirkungen der Antazida und vergrößert ihr therapeutisches Fenster. Entscheidender ist jedoch die Frage, ob Antazida bei peptischen Erkrankungen überhaupt effektiv wirksam sind. Eigentlich wird diese Frage durch die Jahrtausende alte Erfahrung von Magenkranken beantwortet. Dennoch hat auch die moderne Medizin dieses Problem eingehend studiert. Große klinische Studien an tausenden von Magenpatienten zeigen dabei Folgendes: Sowohl bei säurebedingten Geschwüren des Magens und des Zwölffingerdarms (Ulkus ventrikuli, Ulkus duodeni) haben Antazida eine signifikant bessere Wirkung als Scheinpräparate (Plazebo). Ihre therapeutischen Effekte entsprechen z. B. jenen von gängigen H2-Blockern. Dies gilt auch bei der Verhütung von Ulkus-Rückfällen, die ohne wirksame Behandlung sonst sehr häufig wären. Aber auch andere peptische Läsionen, z. B. Sodbrennen, Refluxösophagitis, Entzündung der Magenschleimhaut, Reizmagen und andere Magenbeschwerden, werden durch Antazida in überzufällig hohem Umfang geheilt oder gelindert. Auch die Frage der Nebenwirkungen von Antazida wurde bis in jüngste Zeit intensiv erforscht. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass besonders aluminium- und magnesiumhaltige Antazida (wie z. B. Maaloxan) nahezu nebenwirkungsfrei sind, sofern das betreffende Präparat nicht in extremen Mengen oder von schwer Nierenkranken eingenommen wird. Das Resümee dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse ist einfach zu ziehen: Aluminium- und magnesiumhaltige Antazida sind bei einer Vielzahl von peptischen Läsionen wirksam, müssen nicht hoch dosiert werden und haben, wenn überhaupt, nur geringste Nebenwirkungen. Ihr therapeutisches Fenster ist sehr groß und sie sind deswegen - im Gegensatz zu anderen Pharmaka - gut zur Selbstmedikation geeignet.

Bedeutung von Antazida anhand von Verordnungsgewohnheiten

Säurebedingte Erkrankungen sind, wie erwähnt, überaus häufig: Allein 30 Prozent aller Arztkontakte in der niedergelassenen Praxis sind durch Magenbeschwerden zumindest mitbedingt (pro Jahr: 20 Millionen Mal die Diagnose "Magenbeschwerden"). Die Dunkelziffer solcher peptischer Beschwerden dürfte weitaus höher sein, da ein Großteil aller Betroffenen nicht die Arztpraxis und nur gelegentlich eine Apotheke aufsucht. Andere Zahlen belegen von anderer Seite die Bedeutung des Problems Magenerkrankung: Ärztlich verordnete Magen-Darm-Mittel stehen an vierter Stelle der verordnungsstärksten Indikationsgruppen und führen damit zu enormen Arzneimittelkosten. Aber auch angesichts der sozioökonomisch hohen Kosten (z. B. 6,3 Mill. Arbeitsunfähigkeitstage 1991 mit geschätzten Kosten von mindestens DM 350 Mill./Jahr), wird deutlich, dass peptische Erkrankungen tatsächlich eine "Volkskrankheit" sind. Dennoch haben Antazida an den ständig steigenden Arzneimittelkosten bei Magenerkrankungen, wie die Analysen der letzten Jahre zeigen, kaum einen Anteil. Ihre Verordnungshäufigkeit ist seit vielen Jahren nahezu konstant. Die Kostensteigerungen entstanden und entstehen vor allem durch die zusätzliche ärztliche Verordnung der neueren Präparate - vor allem den H2-Blockern und zunehmend auch von teuren Protonenpumpeninhibitoren (z. B. Omeprazol). Die Verordnung, bzw. Empfehlung von antazid wirksamen Heilmitteln bei peptischen Beschwerden liefert, so konnten vor allem US-amerikanische Untersuchungen nachweisen, einen entscheidenden Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Und zwar nur durch ökonomisches Verhalten und nicht durch Verzicht auf therapeutische Wirksamkeit und Nutzen für die Patienten. Und: Aluminiumhaltige Antazida, so ist seit wenigen Jahren bekannt, haben - neben der Säure neutralisierenden Wirkung - noch zahlreiche andere, später vorzustellende Effekte, welche die Heilungsrate und Rückfallhäufigkeit bei Magenerkrankungen entscheidend mit beeinflussen.


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