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Antazida in der Selbstmedikation
"Was ist Ihnen denn auf den Magen geschlagen?"

Einleitung

Die Mehrzahl von Patienten mit Magendarmbeschwerden, wie sie in der Beratungspraxis von Apotheken ständig vorkommen, können befriedigend mit Diäthinweisen, praktischen Tipps zur Umstellung ihrer Lebensweise (Stress, Rauchen, Kaffee) sowie wirksamen, magnesium- und aluminumhaltigen Antazida versorgt werden. Dennoch ist es unumgänglich Patienten eingehender nach ihren Beschwerden zu befragen, umso zwischen banalen Verdauungsbeschwerden einerseits und rasch medizinisch zu behandelnden Erkrankungen andererseits unterscheiden zu können (Differentialdiagnose). Besonderer Schwerpunkt hierbei ist auch und vor allem die Wahrnehmung der seelischen Verfassung der Patienten. Die meisten dyspeptischen Beschwerden sind nämlich als Funktionsstörungen des oberen Verdauungstraktes im psychosomatischen Sinne aufzufassen.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?

Einige Symptome, die Kunden schildern, sollten jedoch grundsätzlich den Verdacht auf ernsthafte organische (somatische) Erkrankungen lenken. Im Wesentlichen handelt es sich um bösartige Krankheiten (v.a. das Magenkarzinom), akute Ulkuskomplikationen (Blutungen, Durchbruch) und akute andere Erkrankungen, die mit scheinbaren Beschwerden des oberen Verdauungstraktes deutlich werden (z. B. Herzinfarkt, akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse u. a.). Bei welchen Krankheitszeichen sollte ein Kunde sofort zu seinem Arzt geschickt werden?

"Wie ein Stein im Magen"

Die deutsche Sprache kennt zahlreiche Beispiele für den Zusammenhang von oberem Verdauungstrakt und seelischer Verfassung: "Etwas ist mir auf den Magen geschlagen", Abneigung kann "einem den Magen umdrehen", ein Problem "liegt wie ein Stein im Magen", aber auch "Liebe geht durch den Magen". Langjährige Untersuchungen von Magenkranken zeigen, dass bei etwa einem Drittel dieser Patienten seelische Ursachen für die Beschwerden verantwortlich sind (fehlende Konfliktlösungsfähigkeit, ungenügende Stressverarbeitung, problematisch überzogene Leistungsanforderung u. a.). Bei etwa einem weiteren Drittel findet sich eine enge Wechselwirkung zwischen dyspeptischen Beschwerden und Psyche (z. B. reagieren viele Ulkuspatienten mit Beschwerdeverschlimmerung schnell und intensiv auf oft nur geringfügigen seelischen Stress). Wichtig: Dyspeptische Funktionsstörungen von Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm können durchaus zu klinischen Befunden führen (endoskopisch gesicherte Gastritis, Geschwüre, Säuresekretionsveränderungen, etc.). Hier darf aber nicht Ursache und Wirkung verwechselt werden: Störungen des Leib-Seele-Zusammenhanges bei psychosomatischen Erkrankungen können sich nach entsprechender Dauer durchaus auch in organischen Veränderungen ausdrücken. Diese sind aber Folge und nicht Ursache der Erkrankung.

Kausale und symptomatische Therapie

Dem oft chronischen Charakter der dyspeptischen Beschwerden entspricht eine Chronifizierung der zu Grunde liegenden psychosomatischen Störung. Dies hat für die Behandlung oft eine mehr oder weniger unbefriedigende Konsequenz: Da auch chronische seelische Störungen behandlungsresistenter als akute sind und die Patienten oft die seelischen Hintergründe ihrer Erkrankung verleugnen, ist die symptomatische Therapie z. B. mit Antazida oder H2-Blockern oftmals die einzig Erfolg versprechende Maßnahme. Obwohl eine ursächliche Behandlung, nämlich die der psychosomatischen Störung, theoretisch möglich wäre, lehnen viele psychosomatisch qualifizierte Ärzte in Deutschland die Behandlung von Magenpatienten ab. Hauptgrund ist die zumeist fehlende Krankheitseinsicht der Patienten sowie ihre oft mangelnde Bereitschaft ihre Lebensweise zu ändern. Da zudem eine gut wirksame und sichere medikamentöse Behandlung der Beschwerden möglich ist, fällt der Leidensdruck dieser Patienten und damit das Bedürfnis nach ursächlicher Heilung fort. Dennoch: Bei der Beratung von Patienten mit dyspeptischen Patienten sollte immer darauf hingewiesen werden, dass ein enger Zusammenhang zwischen seelischer Verfassung und Krankheitsbeschwerden besteht. Und dass alleine durch Änderung der Lebensweise (Stressverringerung, verbesserte Stressbewältigung, Bereitschaft zur Konfliktlösung, Einschränkung überzogener Leistungsansprüche an sich selbst, Verzicht auf Alkoholmissbrauch, Rauchstopp, Änderung der Essgewohnheiten, etc.) oftmals eine deutliche Verbesserung der Beschwerden zu erzielen ist. Dies ist umso wichtiger, je jünger die Patienten sind: Dyspeptische Beschwerden, vor allem aber die Ulkuskrankheit, neigen dazu, über Jahrzehnte hinweg chronisch in Erscheinung zu treten. Lernen diese Patienten schon frühzeitig die Häufigkeit und Schwere ihrer Krankheitsrückfälle zu vermindern, vermindert dies nicht nur die Komplikationsrate (z. B. von Magenblutungen) sondern erhöht auch die Lebensqualität der Betroffenen.

Beschwerden Reizmagen,
Magenver-
stimmung
(Dyspepsie)
Refluxerkran-
kung der Speise-
röhre (Refluxöso-
phagitis)
Magen-
geschwür
(Ulkus ventrikuli)
Zwölffinger-
darmgeschwür
(Ulkus duodeni)
Andere Erkrankungen Anmerkungen
Sodbrennen,
saures
Aufstoßen
* - ** *** * (*) Ösophagus-
karzinom
seltenes Sodbrennen
nach schwerem
Essen und Trinken
oder Stress ist durch
Ernährungsum-
stellung, Hochstellen
des Bett-Kopfteiles
und evtl. Antazida-
gabe zumeist
beherrschbar
Schluckbe-
schwerden bei
der Nahrungsauf-
nahme
möglich
(eher psychisch
bedingt)
** - - Zahnerkrankungen, Aussackungen der Speiseröhre (Divertikel), Magenkarzinom, Stress ("Globusgefühl" im Hals), auch Krebs der Speiseröhre Schluckbeschwerden sind Ausdruck eines teilweisen Ver- schlusses des oberen Verdauungstraktes. Sie sollten immer sehr ernst genommen werden
Blähungen,
Völlegefühl
*** **
(oft in Ver-
bindung mit häufigem
Luftschlucken)
(*) (*) Leber-, Gallen-
blasen- und
Bauchspeichel-
drüsenerkrankungen,
Unverträglichkeits-
reaktionen (z. B. Milch),
"verdorbener Magen"
Hinter diesen
unspezifischen Be-
schwerden können
sich gelegentlich auch
bösartige (maligne)
Erkrankungen des
Verdauungstraktes
verbergen, besonders
in Kombination mit
raschem
Sättigungsgefühl
Magenschmerzen,
Oberbauch-
schmerzen
*
(eher
konstant)
**
(Schmerzen
beim Essen)
***
(Verschlech-
terung durch
Nahrungsauf-
nahme, Ver-
besserung durch
Antazida)
**
(nächtliche
Schmerzen,
schubweise,
durch Essen
erleichtert, kehren
2-3 Stunden später
aber wieder,
Linderung durch
Antazida)
Erkrankungen von
Leber, Galle,
Pankreas u.v.a.m.,
Dauerschmerzen bei
Magenkarzinom
Schmerzen treten
zumeist im Epigastrium
(Bauchregion
zwischen
Rippenbögen und
Bauchnabel) auf,
können aber auch
ausstrahlen (Verdacht
auf Herzinfarkt)
Gespannte
Bauchdecke,
intensive Druckschmerz-
haftigkeit
*
(zumeist
psychisch
bedingt)
- bei lebens-
gefährlichem
Ulkus-Durch-
bruch!
bei lebens-
gefährlichem
Ulkus-Durch-
bruch!
Magenkarzinom, Bauchfellentzündung, zahlreiche innere Erkrankungen - zumeist entzündlicher Natur (akut), Ileus Beide Symptome sind
Notfallsymptome!
Besonders wenn
Fieber, Bewusst-
seinsstörungen,
Übelkeit und
Erbrechen,
Bauchschmerzen und
andere Beschwerden
hinzutreten.
Notärztliche
Betreuung dringend
empfehlenswert!
Appetitverlust (*) (*) (*) (*) Innere Erkrankungen,
Medikamente,
psychische Ursachen
(Depression!),
Tumorerkrankungen
Appetitverlust bei
Magendarmbe-
schwerden, vor allem
zusammen mit
Gewichtsabnahme,
sind ein starkes
Warnsignal.
Gewichtsverlust *
(immer wieder
psychisch bedingt,
z. B. bei Magersucht
u. a.)
(*) ** ** bösartige
Erkrankungen des
Verdauungstraktes
und anderer Organe,
infektöse Magendarm-
erkrankungen,
chronische
Durchfälle
Gewichtsverlust ist
ein ernstes Symptom,
besonders wenn
dabei die körperliche
Leistungsfähigkeit
ebenfalls abnimmt.
Wegen der Gefahr
bösartiger Er-
krankungen ist immer
ein Arzt aufzusuchen
Übelkeit und
Erbrechen
*
(nicht selten
psychisch bedingt)
*
(zumeist ohne
Übelkeit, Zeichen
eines dringend
zu behan-
delnden Speise-
röhrenver-
schlusses)
**
(vor allem nach
dem Essen. Tritt
Erbrechen erst 3-8
Stunden später
auf, ist an einen
Verschluss des
Magenausgangs
zu denken)
* Schwangerschaft,
Medikamente,
Systemerkrankungen,
ZNS-Schäden,
Alkoholmissbrauch,
Magenkarzinom,
Infektion,
Lebensmittelvergiftung,
Stress
siehe auch Blut im
Stuhl. Übelkeit und
Erbrechen kann bei
einer Fülle von
Erkrankungen (akut
und chronisch
auftreten). Wenn nicht
eindeutig eine
vorübergehende
Verdauungs-
störung vorliegt, ist
immer ein Arztbesuch
zu empfehlen
Blut im Stuhl,
blutiges Erbrechen
("kaffeesatzartig"),
Blutarmut
- ** **** *** Krampfadern z. B. in
der Speiseröhre,
Lebererkrankungen
Blutaustritt ist immer
ein wichtiges
Warnsignal. Eine
sofortige ärztliche
Untersuchung ist
anzuraten
Verdauungs-
beschwerden
** (*) * * Erkrankungen von
Leber, Gallenblase und
Bauchspeicheldrüse,
akute und vor allem
chronische
Darmerkrankungen,
Nahrungsmittel-
unverträglichkeiten, chronische Fehlernährung
 

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