Es kann jeden treffen
Prominente Magenkranke gestern und heute
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Fernsehbilder beweisen es: Auch Bill Clinton ist Opfer des Sodbrennens. Die eine Hand vor den Mund, die andere auf den Magen gepresst. Es ist vielleicht kein Trost, aber Fakt: Mit diesem Leiden ist er keineswegs allein; Millionen Menschen auf der Welt leiden unter säurebedingten Magenerkrankungen. Und das war schon schon immer so: Denn diese Erkrankung ist keine Erfindung unserer Zeit. Schon der griechische Arzt Diokles von Karystos (ca. 400 v. Chr.) unterschied folgende Symptome einer vom Magen entstammenden melancholischen Gaskrankheit: saures Aufstoßen, wässriges Speien, Gas, Sodbrennen und epigastrischer Hungerschmerz. Er empfahl folgendes: "Wem an seiner Gesundheit liegt, der esse morgens einen Brei aus Gerstenschrot. Die Gerste wird aus gewissen Vorrat zwischen Steinen grob geschrotet, mit Wasser zu einem Brei verrührt, und dieser wird an der Sonne getrocknet. Der Tagesbedarf wird abgebrochen, zerkleinert, mit Wasser, vielleicht auch Milch, verrührt gegessen." Sein Nachfolger Celsus empfahl Ähnliches. Auch die Römer kannten Beschwerden des Magens und Mittel dagegen: So riet Tacitus [1] schon dazu, nach einem reichhaltigen Essen etwas Terra silligata (Antazida) zu sich zu nehmen, um unangenehme Magenbeschwerden zu vermeiden.
Voltaire |
Schaut man nun in alten Annalen und Biografien nach, so finden Magenerkrankungen gerade in der Antike kaum Erwähnung. Adolf Braun [2] verweist in seinem Buch "Krankheit und Tod im Schicksal bedeutender Menschen" darauf, dass Magenkrankheiten in die Biografien bedeutender Römer und Griechen einfach nicht aufgenommen wurden. Es ging nämlich darum, der Nachwelt ein möglichst strahlendes und heldenhaftes Bild der jeweiligen Person zu übermitteln. Magenerkrankungen passten nicht in dieses Bild. Außerdem war das medizinische Wissen nicht so fortgeschritten, dass eine exakte Diagnose nach heutigen Maßstäben gestellt werden konnte. Bei Berichten über die Todesursache berühmter Persönlichkeiten wurde bei Unklarheiten, laut Braun, immer in erster Linie Mord angenommen. Dies kann beispielsweise am Tod von Alexander dem Großen nachvollzogen werden: Die genaue Todesursache konnte niemals exakt bestimmt werden. Spekulationen darum umfassen ein ganzes Spektrum - vom Magendurchbruch bis hin zum Mord durch Gift. Die wirkliche Todesursache Alexander des Großen, wird sich mit Sicherheit nie herausfinden lassen: Denn dafür würden Genforscher zumindest ein winziges Gewebestück seines Körpers benötigen. Doch sein Körper ist längst verwest. Und damit hat er seine Geheimnisse mit ins Grab genommen.
Friedrich der Große |
In späteren Jahrhunderten fanden sich jedoch durchaus Hinweise auf berühmte Persönlichkeiten, die unter Sodbrennen und anderen Magenkrankheiten litten. Durch genaue Aufzeichnungen von Ärzten lassen sich Krankengeschichten hochstehender oder berühmter Persönlichkeiten teilweise bis ins Detail nachverfolgen. Auch Tagebücher und Briefe bilden eine gute Quelle. So berichtete der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire (21.11.1694-30.5.1778), dass er ab dem 80. Lebensjahr zunehmend unter Magenleiden wie starkem Sodbrennen und einer Prostataerkrankung litt. Da Voltaire bis dahin - trotz eines täglichen Arbeitspensums von 18 bis 20 Stunden - immer bei guter Gesundheit gewesen war, beschloss er, sich nicht in die Hände eines Arztes zu begeben. Er kurierte sein Magenleiden mit Diät und Hausmitteln aus. Welche Hausmittel er allerdings benutzte, darüber geben seine Schriften leider keine Auskunft.
Voltaires Zeitgenosse Friedrich der Große litt hingegen von Geburt an unter einem "schwachen Magen". Auch andere berühmte Magenkranke finden sich in den nachfolgenden Jahrhunderten: Napoleon, Bismarck, Tschaikowsky, Charles Darwin, Churchill, Thomas Mann, James Joyce oder Papst Pius XII.
[1] Publius Cornelius Tacitus, Germania, Düsseldorf: Patmos 1998; ISBN: 3760813534.
[2] Adolf Braun, Krankheit und Tod im Schicksal bedeutender Menschen, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1934.

