Biografie Cornelius Tacitus (55 - 117)
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Er wurde etwa 55 nach Christus vermutlich in Südgallien geboren. Unter den flavischen Kaisern (Vespasian, Domitian) bekleidete er mehrere hohe Staatsämter. Er war im Jahre 88 Prätor (Justizbeamter), verwaltete vier Jahre lang ein Amt in der Verwaltung einer römischen Provinz und später Prokonsul (Statthalter) in der Provinz Asia (um 112 n. Chr.). Seine Lebenszeit fiel in die Regierungszeiten der römischen Kaiser Nero, Vespasian, Titus, Domitian, Trajan und Hadrian. Er schrieb den bekannten "Rednerdialog" und eine Biographie seines Schwiegervaters Agricola. Mit "Germania" gelang ihm die erste zusammenhängende, geographische und ethnographische Beschreibung Germaniens. Seine beiden Hauptwerke "Historien" (Kaisergeschichte, 69-96) und "Annalen" (Kaisergeschichte 14-68) gingen größtenteils verloren. Tacitus geißelte darin den Verfall von Moral und Sitten in der Kaiserzeit und die Autokratie der Cäsaren. Er starb nach 117 nach Christus.
In der "Germania" beschrieb er neben dem Wirken der eigenen Armee natürlich auch die Germanen. Diese waren in seinen Augen Barbaren. Er studierte und beurteilte ihre Lebensweise: "Stand bei den Germanen eine wichtige Entscheidung an, so erörterten sie das Für und Wider, nachdem sie sich gründlich betrunken hatten. Am nächsten Tag diskutierten sie dann in nüchternem Zustand erneut darüber. Hatte sich eine Lösung, die alkoholfrei gefunden wurde, im betrunkenen Zustand nicht bewährt, verwarf man sie. Als Entscheidung angenommen wurde nur, was sich in beiden Fällen gleichermaßen durchsetzen konnte."
Dass Germanen gerne sangen, wusste Tacitus auch zu berichten, "der Gesang ist ihnen mehr ein Gleichklang tapferer Herzen als ein Zusammenklingen von Menschenstimmen. Vor allen Dingen ist ihnen darum zu tun, raue Töne und ein stossweises Dröhnen hervorzurufen". Tacitus' Wahrnehmung war von Unbehagen geprägt, denn die riesigen germanischen Wälder waren dem römischen Schriftsteller unheimlich. Die Sümpfe fand er abstoßend, die Nordsee erfüllte ihn mit Angst, dieses "Meer, das sozusagen schon einer anderen Welt angehört." Die Klima-Angaben bei Tacitus treffen übrigens noch heute zu: "Für den Westen, nach Gallien hin, sind die Niederschläge charakteristisch."

