Napoleon Bonaparte (1769 - 1821) und sein Tod auf St. Helena
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Einer der berühmtesten Magenkranken ist Napoleon Bonaparte. Seit seiner frühesten Jugend litt er unter der Vorstellung, Magenkrebs zu bekommen. Sein Vater wie auch zwei Schwestern waren an dieser Krankheit gestorben. Die Mutmaßungen über den Tod des Kaisers lassen viele Möglichkeiten zu: Sie reichen von einer Arsen-Vergiftung oder Leberentzündung (er war gelb im Gesicht) bis hin zum Magenkrebs. Wie lebte Napoleon von 1795, als er mit 26 Jahren Frankreichs jüngster General wurde, bis 1815, als die britische Fregattte "Northumberland" ihn in die Verbannung nach St. Helena brachte? Schon in der Zeit, als er die Kadettenschule von Brienne besuchte, litt er häufig an Erbrechen und Magenbeschwerden. Napoleon entwickelte bald ein eigenes "animalisches und vegetabilisches Prinzip", mit dem er versuchte, sich Linderung zu verschaffen: Er ernährte sich ausschließlich von Milch, Brot und aß manchmal Maisbrei.
Napoleon liess sich mit Hilfe seines starken Willens nicht von seinen Krankheiten beherrschen. Und er litt an vielem. Im Laufe seines Lebens hatte er chronische Ekzeme, ständigen Husten, Fieberanfälle, Harnbeschwerden, Darmstörungen und Malaria. Um andere und vor allem sich selbst vergessen zu machen, wie krank er wirklich war, studierte der korsische Zwerg (1,51 Meter) seine typische Pose mit herausgedrückter Brust oft vor dem Spiegel ein. Der spätere Kaiser Frankreichs verachtete Medikamente. Gegen seine Magenschmerzen, die ihn oft begleiteten, führte Napoleon gerne eine Roßkur durch. Im wahrsten Sinne des Wortes ritt er ohne Pause Strecken von sechzig Meilen und mehr. Als seine politische Karriere langsam ein Ende nahm, konnte er sich nicht mehr den starken körperlichen Symptomen erwehren: Während er früher Schlachten zu seinen Gunsten entschied, weil er andere genauso an die Grenzen des Machbaren trieb wie sich selbst, verlor er immer häufiger im Kampf, weil sein geschwächter Körper nach Schlaf verlangte oder Magenkrämpfe ihn zur Verzweiflung trieben.
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Während seiner Verbannung auf St. Helena inmitten im Atlantik, gab es für Napoleon in vielerlei Hinsicht kein Entkommen: Er musste sich seinen Krankheiten stellen. Das ungünstige Klima der Insel wirkte zudem verschlechternd auf seinen allgemeinen gesundheitlichen Zustand. Unter anderem litt Napoleon an Magengeschwüren, die vom Inselarzt Dr. O'Meara mit Seewasserbädern kuriert wurden. Auch die verabreichten Blaupillen, die sehr hohe Dosen von Kalomel (eine Quecksilber-Chlorid-Verbindung) enthielten, brachten keine Besserung. Auch der zweite Napoleons, der Chirurg Fransesco Antiommarchi, der ihn ab 1819 versorgte, konnte ihm nicht helfen. Zudem misstraute ihm Napoleon zutieftst, so bemerkte er "ich würde Antiommarchi eher mein Pferd zum Sezieren anvertrauen als meinen eigenen Fuß." Der Chirurg verordnete Napoleon Leibesübungen wie Reiten und gärtnern. Gegen die Leber- und Magenschmerzen gab er ihm Salmiak und Opium.
Am 5. Mai 1821 verstarb Napoleon, nur 51jährig.. Die letzte Eintragung in Antiommarchis Tagebuch stammt von diesem Tag: "...11 Uhr vormittags. Ich benetze dem Sterbenden fortwährend die Lippen und den Mund mit frischen Wasser, dem ein bißchen Zucker und Orangenblütensaft beigemischt ist. Aber die Speiseröhre ist fest verschlossen. Er kann nichts mehr herunterschlucken. Die Atmung ist von Schluchzern unterbrochen und von einer starken Bewegung der Bauchmuskeln begleitet. Die Augenlider bleiben starr, die Augen verdrehen sich nach oben. Der Puls setzt aus und belebt sich von neuem... Es ist 11 Minuten vor 6 Uhr. Napoleon ist seinem Ende nah. Seine Lippen bedecken sich mit einem leichten Schaum. Er hat aufgehört zu sein... So vergeht der Ruhm."
Nach der anschließenden Obduktion des Leichnams lagen vier unterschiedliche Berichte vor. Das Gerücht, Napoleon sei an einer Arsenvergiftung gestorben, wird heute als unwahrscheinlich verworfen. Stefan Winkle, Hamburger Mediziner und Seuchen-Spezialist, nimmt eine Amöbenruhr als eigentliche Todesursache an. Dazu würden die Beschreibung der Schmerzen Napoleons, die Gelbfärbung seiner Haut wie vergrößerte Leber passen.
[1] Heinz Sponsel: Die Ärzte der Großen, Econ Verlag, Düsseldorf, Wien 1976.
[2] Cases, Las: Tagebuch über Napoleons Leben, 6 Bände, Arnoldsche Buchhandlung, Dresden 1823.
[3] Paul Aretz: Napoleons Gefangenschaft und Tod, Carl Reissner, Dresden 1921.

